Abtreibung ist eine Sünde ?
So oder so ähnlich scheint die die Position der ÖVP auch noch im Jahr 2009 zu sein. Die Grazer Stadträtin für Soziales, SeniorInnen und Frauen, Elke Edlinger (SPÖ) hat gemeinsam mit dem Grazer Frauengesundheitszentrum und dem Frauendokumentations- und Projektzentrum DOKU GRAZ die Broschüre “ungewollt schwanger” herausgegben, die über Beratung in der Situation einer ungewollten Schwangerschaft und über das Thema Schwangerschaftsabbruch informiert.
Zwar gilt seit fast 35 Jahren in Österreich die Fristenregelung (Schwangerschaftsabbruch ist straffrei, wenn er nach ärztlicher Beratung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolgt), dennoch erfahren viele Frauen Ablehnung und erhalten nur mit Schwierigkeiten (oftmals falsche) Informationen darüber, wie und wo Abbrüche durchgeführt werden.
Wie hart sich die idiotische Idee Frauen würden sich leichtfertig für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden hält, zeigt eine unlängst von der rechten Mehrheit im Grazer Gemeinderat beschlossene Petition an den Nationalrat. Diese verlangt, dass Ärzte verpflichtet werden, auf psychosoziale Beratungsangebote und finanzielle Fördermöglichkeiten hinzuweisen. Außerdem soll eine Bedenkzeit von mindestens drei Tagen eingeführt werden, bevor ein möglicher Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden kann. Dass es sich dabei lediglich um eine zusätzliche Hürde handeln würde, die keiner Frau hilft, ist wohl gewollt.
Während die ÖVP sich Sorgen um die “heilige” Familie macht, geht die FPÖ, wenig überraschend, noch viel weiter. Die rechtskräftig wegen Verhetzung verurteile FPÖ-Nationalrätin Susanne Winter spricht bei vollem Bewusstsein davon dass diese Informationsbroschüre die “Substanz unseres Volkes” gefährde. Das war sogar der Grazer FPÖ zu extrem die sich auf eine abgeschwächtere Position in ÖVP-Nähe zurückzog.
Frauen haben das Recht sich zu entscheiden, ob sie schwanger sein wollen oder nicht. Leider hat sich diese Erkenntnis bei ÖVP und FPÖ noch immer nicht durchgesetzt. Die Broschüre „ungewollt schwanger“ unterstützt Frauen in einer schwierigen Situation dabei, eine informierte Entscheidung zu treffen.
Die Broschüre zum Download
Bericht der “Kleinen Zeitung”
Bericht auf diestandard.at
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von thomas knapp am 26. August 2009 um 11:51 veröffentlicht und unter Meinungen/Kommentar abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
Eintrag von: thomas knapp (35 Articles)


vor 1 Jahr
Liebster Thomas,
das Problem ist, dass es anscheinend im Jahr 2009 nicht möglich ist eine Broschüre herauszugeben, die umfassend informiert. Was wäre bitte das Problem in einer Broschüre, sowohl Informationen zum Schwangerschaftsabbruch zu geben, als auch Informationen zu den anderen Möglichkeiten, wie Adoption, finanzielle Unterstützung für Mütter bzw. Familien, etc.
“Die Broschüre “ungewollt schwanger” unterstützt Frauen in einer schwierigen Situation” gerade NICHT dabei eine informierte Entscheidung zu treffen, sondern eine einseitig informierte Entscheidung zu treffen.
Ich begrüße den Zugang zu den in der Broschüre gegebenen Informationen, finde aber doch bedenklich, dass keine Alternative aufgezeigt wird. Ich finde weiters bedenklich, dass selbst Menschen, die generell auf einer rationalen Ebene argumentieren, bei diesem Thema eine Art linken Beißreflex bekommen und glauben jeder, der eine ganzheitliche Information fordert, möchte die Fristenlösung abschaffen. Es ist jeder Frau zu wünschen, dass sie nie in die Situation kommt, eine solche Entscheidung treffen zu müssen, sollte es allerdings dazu kommen, sollten ihr Informationen für alle Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden.
vor 1 Jahr
Liebe Barbie,
wir (FGZ & ich) haben bereits vor Monaten initiiert, dass all jene Infos rund um die Themen “Schwangerschaft” und Geburt” und die diesbezüglichen Beratungs-/Unterstützungsmöglichkeiten auf der Homepage der Stadt Graz als Subseiten beim Punkt “Familie” eingerichtet werden. Solche Infos sind generell für Frauen auch leichter zugänglich, da gibt es die verschiedensten Broschüren etc.
Die Erfahrungswerte haben aber gezeigt, dass all jene Frauen, die sich über einen Schwangerschaftsabbruch informieren wollen, oftmals an eine “Mauer des Schweigens” stoßen, weil das Thema auch nach fast 35 Jahren Fristenregelung nach wie vor völlig tabuisiert ist. Infos werden, wenn überhaupt, oft nur “unter der Hand” weitergegeben. Ich denke jedoch, dass Frauen ein Recht AUCH auf diese Informationen haben. Deshalb haben wir die Broschüre “ungewollt schwanger – Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch” herausgegeben. Nicht mehr und nicht weniger.
vor 1 Jahr
Liebe Frau Edlinger,
Die “Mauer des Schweigens”, von der Sie sprechen, glaube ich Ihnen sofort, dennoch kann es nicht das Ziel sein, auch diesmal wieder nur Informationen über eine Seite – egal welche – zu geben.
Es ist wünschenswert, Frauen in der Überlegung Kind behalten oder nicht, möglichst breit gefächert zu unterstützen, es wäre also schön, eine Infobroschüre zur Hand zu haben, in der jegliche Informationen angeführt sind, die bei einem Schwangerschaftsabbruch helfen, als auch jegliche Informationen darüber, welche Möglichkeiten frau in schwierigen Situationen mit Kind hat.