Wer zu arm zum Studieren ist, hat das auch verdient…
Eines der bekanntesten, und wohl auch menschenverachtensten, Credos der libertären DenkerInnen ist, dass jeder absolut seines Glückes Schmied ist, der Fleißige wird belohnt und reich, der Faule bleibt arm, alle beginnen ja bei Null. Dass das nicht stimmen kann, sieht man zwar auf den ersten Blick auf die extrem ungleiche Welt, in die Menschen hineingeboren werden, aber es geht ja auch weniger um Wahrheit, als um ein verschleierndes Argument das der “Elite” erlaubt, unter sich zu bleiben.
Unser Wissenschaftsminister Johannes “Gio” Hahn und seine ÖVP nehmen nun, ein Jahr nach der weitgehenden Rücknahme der Studiengebühren, erneut einen Anlauf, doch bitte an den Unis unter sich bleiben zu dürfen. Die Studiengebühren müssen wieder eingeführt werden, verlangt er. Doch oh weh, die SPÖ legt sich quer, deren Wissenschaftssprecherin Andrea Kunzl, lehnt Hahns Forderung scharf ab.
Und doch – die ÖVP gibt nicht auf. Die Grazer Professorin für Arbeitsrecht, Nationalratsabgeordnete und ÖAAB-Generalsekretärin Beatrix Karl, argumentiert damit, dass die SPÖ doch sonst immer soviel auf die Berichte und Empfehlungen der OECD gebe. Und die empfiehlt ja Studiengebühren, also muss die SPÖ doch dafür sein.
Dabei handelt es sich aber um eine Nebelgranate sondergleichen. Ja, die OECD ist grundsätzlich für die Einführung von Studiengebühren. Allerdings immer eingebettet in ein gutes, funktionierendes Stipendiensystem, das soziale Selektion verhindert. Also etwas, das man in Österreich höchstens von der Theorie her kennt, reicht die Studienbeihilfe, ob mit oder ohne Studiengebühren, doch so schon für viele Studierende bei weitem nicht aus, so sie überhaupt zum kleinen Kreis der Anspruchsberechtigten gehören.
Aber bleiben wird doch bei der OECD, die die ÖVP ja so lieb gewonnen zu haben scheint. Liebe ÖVP, setzt euch doch auch für andere OECD-Forderungen ein, etwa der nach der Einführung der Gesamtschule. Nehmt doch die Kritik der OECD ernst, immerhin wird Österreich bei jeder OECD-Untersuchung aufs Neue scharf dafür kritisiert, eine peinlich niedrige AkademikerInnen-Quote zu haben, lächerlich niedrige Ausgaben für die Universitäten (Lehre wie Forschung) zu machen und eines der sozial undurchlässigsten Bildungssystem überhaupt zu haben.
Ausreichend Betätigungsfelder für den Wissenschaftsminister, ganz ohne noch mehr Studierende in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Denn es geht ja um die Empfehlungen der OECD, nicht um soziale Selektion, oder, liebe ÖVP?
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von thomas knapp am 25. September 2009 um 08:22 veröffentlicht und unter Allgemein abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
Eintrag von: thomas knapp (34 Articles)


vor 11 Monaten
Um nur auf den ersten Absatz einzugehen: Deine Kritik (die übrigens maßlos überzogen ist – “sozial eiskalt” hätte vielleicht noch gefehlt) greift zu kurz, denn die “libertären Denker” gehen auch davon aus, dass in einem System mit niedriger bis gar keiner Steuerbelastung dementsprechend die freiwillige Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander ansteigt bzw. fordern sie diese ja auch. Bereits heute gibt es Stiftungen, Vereine oder gar Privatpersonen, die an sozial schwache, aber begabte (d.h. für ein Studium geeignete) Leute Stipendien vergeben – freiwillig und ohne wirkliche Gegenleistung, versteht sich. Deswegen muss man nicht gleich die Studiengebühren wieder einführen (obwohl mich mal eine Statistik interessieren würde, wie wenig potentielle Studierende sich das Studium wirklich nicht mehr leisten könnten; 350irgendwas Euro sind für ein ganzes Semester ja nun wirklich nicht die Welt), aber auch nicht den Liberalismus verteufeln.
vor 11 Monaten
Naja, da greifen meiner Meinung nach eher die “libertären Denker” zu kurz. Warum um alles in der Welt sollte sich die Hilfsbereitschaft der Menschen indirekt proportional zu a) ihrer Steuerlast und b) ihrem Vermögen verhalten? Kann schon sein, dass es viele wohlhabende Philantrophen gibt; schöne Sache. Aber eine Gesellschaft auf der Hoffnung aufzubauen, dass die oberen 10.000 schon großzügig genug sein werden, sodass alle anderen auch ein halbwegs menschenwürdiges Dasein fristen können, finde ich, nuja, optimistisch.
vor 11 Monaten
Ich kann einfach nicht verstehen, worin das Problem liegt wenn man fünf Jahre lang einen Beitrag dazu zahlen muss (weil mehr als ein “Beitrag” sind EUR 360 pro Semester sicher nicht), damit man nachher bis zur Pension (ca 35 Jahre) besser verdient als fast alle anderen. Nicht zu vergessen: fünf Jahre in denen man versichert ist und zum Sozialsystem/Lohnsteueraufkommen überhaupt nichts beiträgt…
vor 10 Monaten
Da regen sich viele Leute über die Weltfremdheit von Liberalen auf und hier wird von unseren volksnahen Vertretern ein Leben ohne Universitätsbildung als menschenunwürdig bezeichnet. Muss ich schon sagen, schockiert mich jetzt etwas.
vor 10 Monaten
@Philipp – Wo genau?
vor 7 Monaten
Uweh hat ja ewig gedauert bis mir aufgefallen das ich eine Antwort bekommen habe:
Nachdem es sich in diesem Beitrag um Universität und Studium dreht, lese ich das aus Sebastians Post