Archiv für April, 2010
Für alle? Gegen jede_n!
3Die Studiengebühren sind zwar – momentan – vom Tisch, aber die ÖVP findet immer wieder einen Weg, mit dem Universitäten nur noch Eliten zugänglich gemacht werden können. Allen voran beweist Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) immer wieder ihre Kompetenz bezüglich unfairer Elitenbildung: durch eine neue Studieneingangsphase (neckisch “Step” genannt) soll nun “die Spreu vom Weizen getrennt werden”. Aus der Orientierungsphase soll spätestens zum WS 2011/12 eine selektive Eingangsphase nach dem Motto “der_die Stärkste überlebt” werden. Nach zwei Semestern darf man_frau so entweder weiter studieren – oder nicht.
Genaueres dazu gibt es noch nicht, die neue Step muss erst zwischen SPÖ und ÖVP verhandelt werden. Unterrichtsministerin Schmied dazu gegenüber dem Standard: “Selektion, Zugang verengen, Hinausprüfen – das geht mit der Sozialdemokratie nicht”. Wir hoffen, das sie und die SPÖ bei dieser Position bleiben. Denn das Wissenschaftsministerium möchte die genaue Ausgestaltung der Step der jeweiligen Uni überlassen. Und die Kompetenz mancher Rektoren ist allgemein bekannt.
Der VSStÖ erteilt diesen Plänen eine klare Absage. VSStÖ Bundesvorsitzende Sophie Wollner über die Pläne Karls: „Selektionsphasen am Studienbeginn können niemals gerecht sein. Studierende willkürlich aus den Hochschulen zu werfen und somit die soziale Selektion zu verschärfen ist bildungspolitischer Wahnsinn“.
Gastkommentar: Das EPG Was Ein „Erster Schritt In Die Richtige Richtung“ – Von Sophie Wollner
0Wo aber sind die nächsten, notwendigen Schritte in Richtung tatsächliche Gleichberechtigung lesbischer und schwuler Paare in Österreich?
“Ein erster Schritt in die richtige Richtung“ war die Begleitmusik des Eingetragenen Partner_innenschaft-Gesetzes (EPG) vergangenen Dezember. Abseits rechter und konservativer Stimmen, die „unsere traditionelle Familie als das höherwertige Gut“ (FPÖ-Abgeordneter Kurzmann) bezeichnen, war von progressiver Seite zu hören, dass das Gesetz eben nur ein erster Schritt sein kann. Für parteiunabhängige Homosexuellen-Initiativen, wie das Rechtskomitee Lambda, hat es sich „bezahlt gemacht, dass wir und viele andere NGOs bis zur finalen Beschlussfassung im Nationalrat Druck gemacht haben“. Dadurch seien die ursprünglichen 74 auf 43 Ungleichbehandlungen gegenüber der heterosexuellen Ehe dezimiert worden. (weiterlesen …)
Knapp Bei Kasse #2 – Die Sozialkolumne
0Wann will der Staat sein Geld zurück?
Viele Studierende fürchten sich davor, die Familien- und/oder Studienbeihilfe zurückzahlen zu müssen, wenn sie nicht genügend Prüfungen schaffen. Diese Angst ist aber nur zum Teil berechtigt.
Bei der Familienbeihilfe muss zu Unrecht bezogene Beihilfe zurückerstattet werden. Wenn du z.B. deinen Leistungsnachweis nicht erbringst, aber das Finanzamt weiter überweist (etwa aus Versehen), musst du sie darauf hinweisen und zurückzahlen, sonst droht zusätzlich zur Rückzahlung eine Verwaltungsstrafe. Eine Rückforderung ist auch dann möglich, wenn du dein Studium nicht ernsthaft betreibst (z. B. Abmeldung zwei Monate nach der Zulassung, keine einzige Prüfung absolviert), aber wenn du nur knapp am Leistungsnachweis scheiterst, wird die Beihilfe nur eingestellt, nicht zurückverlangt. Die größte Gefahr ist die Überschreitung der Verdienstgrenze von 9.000 EUR (brutto minus Sozialversicherung) da es hier keine Einschleifregelung gibt, und selbst eine äußerst geringe Überschreitung zur Rückforderung führt. (weiterlesen …)
Aktuelle Studierenden Sozialerhebung
0Die Ergebnisse der Anfang Februar erschienenen Rohfassung sind schockierend.
Der VSStÖ sieht in den ersten Ergebnissen seine langjährige Forderung nach einer besseren sozialen Absicherung von Studierenden bestätigt.
Arbeiten – das ist in den vergangenen Jahren zu einem fixen Bestandteil des studentischen Alltags geworden. Die Anzahl an Studierenden, die berufstätig sind, ist seit 2006, als die letzte Sozialerhebung durchgeführt wurde, von 58 Prozent auf über 61 Prozent gestiegen. 45 Prozent aller Studierenden müssen während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen. Haben die Studierenden im Jahr 2006 wöchentlich noch 19,1 Stunden gearbeitet, waren es 2009 bereits fast 20 Stunden.
Dreiviertel aller Studierenden begründen ihre Berufstätigkeit damit, dass sie sich ihren Lebensunterhalt sonst überhaupt nicht leisten könnten.
Die Hälfte der Studierenden berichtet von Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit zwischen Studium und Beruf – dies führt, wie ebenfalls in der Sozialerhebung nachgewiesen, zu vermehrtem psychischem Stress. 37 Prozent sagen, sie würden den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit gerne reduzieren, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.
Trotz Erwerbstätigkeit gibt mehr als ein Viertel der Studierenden an, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln schlecht oder sehr schlecht auszukommen, wobei dies auch vom Bildungsgrad der Eltern abhängig ist: 30 Prozent der Studierenden aus so genannten bildungsfernen Haushalten geben an, nicht mit ihrem Geld auszukommen, bei Studierenden, die aus einem Akademiker_innenhaushalt kommen, sind es 19 Prozent. Bei der Altersgruppe zwischen 26 und 30 Jahren ist dieser Wert jedoch am höchsten, da in diesem Alter der Bezug der Familienbeihilfe endet und die Eltern weniger finanzielle Unterstützung beisteuern. (weiterlesen …)
Ich linke Emanze vom Referat für feministische Politik
0“Gleichbehandlung existiert ja eh schon, für was machst du das überhaupt?“
„Warum gibt es ein Frauenreferat, wenn es kein Männerreferat gibt- das ist ja total sexistisch.“, „Gehörst du zu diesen dummen Radikalfeministinnen, die die deutsche Sprache verstümmeln wollen?“.
Ich bin seit Juli 2009 Frauenreferentin der ÖH Uni Graz. Seit Jänner nennen wir uns „Referat für feministische Politik“. Die oben genannten und ähnliche Sprüche kann ich mir beinahe tagtäglich anhören. Warum?- weil Frauenpolitik in den Köpfen vieler Menschen Schlagwörter wie Männerfeindlichkeit, Kampflesben oder Radikalismus auslöst. Das ist durch die Umbenennung des Referats auch nicht gerade besser geworden, dennoch war sie notwendig, um sich politisch klar zu positionieren.
Nur zur Klarstellung: ich bin weder männerfeindlich noch lesbisch (und selbst wenn ich es wäre, na und?). Und radikal?- ich würde eher innovativ dazu sagen.
Aber was machen wir im Referat dann so, wenn wir nicht gerade Pläne schmieden, wie die Frauen die Weltherrschaft an sich reißen können?
Also erstens mal Aufklärung- denn entgegen vieler Meinungen sind Frauen Männern gegenüber noch immer massivst benachteiligt, und zwar nicht nur im Iran, sondern auch in Österreich. Sie verdienen ein Drittel weniger als Männer, sind kaum in Führungspositionen vertreten, jede fünfte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt von Männern und so weiter.
Die Aufklärung geschieht anhand von Plakaten, Filmabenden, Diskussionen und anderen Veranstaltungen, die meist für jedes Geschlecht zugänglich sind. Ebenso gibt es seit Jänner 2010 jeden zweiten Sonntag im Monat die feministische Radiosendung „Gender Frequenz“. „Gender Frequenz“ ist eine Kooperation mit Radio Helsinki und dem Cafe Palaver.
Der zweite wesentliche Punkt ist Intervention und Prävention. Beispielsweise wird am 08. und 09. Mai ein Selbstverteidigungskurs für Studentinnen angeboten. Der Kurs zielt speziell darauf ab, dass sich Frauen in Notsituationen gezielt verteidigen können.
Als Drittes ist es wesentlich, Vernetzungsarbeit zu leisten. Zu diesem Zweck gibt es Treffen mit anderen frauenspezifischen Einrichtungen, wie beispielsweise der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien, Frauenforschung und Frauenförderung oder den anderen ÖH Frauenreferaten graz- und bundesweit. Außerdem findet am 27. April der erste Studentinnenstammtisch statt. Der Studentinnenstammtisch soll Studentinnen die Möglichkeit bieten, in einem gemütlichen Rahmen Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren.
Nicht zu kurz kommen darf natürlich die Beratung, weshalb es außer in der vorlesungsfreien Zeit auch zweimal wöchentlich Sprechstunden gibt.
