Die Ergebnisse der Anfang Februar erschienenen Rohfassung sind schockierend.

Der VSStÖ sieht in den ersten Ergebnissen seine langjährige Forderung nach einer besseren sozialen Absicherung von Studierenden bestätigt.

Arbeiten – das ist in den vergangenen Jahren zu einem fixen Bestandteil des studentischen Alltags geworden. Die Anzahl an Studierenden, die berufstätig sind, ist seit 2006, als die letzte Sozialerhebung durchgeführt wurde, von 58 Prozent auf über 61 Prozent gestiegen.  45 Prozent aller Studierenden müssen während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen. Haben die Studierenden im Jahr 2006 wöchentlich noch 19,1 Stunden gearbeitet, waren es 2009 bereits fast 20 Stunden.

Dreiviertel aller Studierenden begründen ihre Berufstätigkeit damit, dass sie sich ihren Lebensunterhalt sonst überhaupt nicht leisten könnten.

Die Hälfte der Studierenden berichtet von Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit zwischen Studium und Beruf – dies führt, wie ebenfalls in der Sozialerhebung nachgewiesen, zu vermehrtem psychischem Stress. 37 Prozent sagen, sie würden den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit gerne reduzieren, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Trotz Erwerbstätigkeit gibt mehr als ein Viertel der Studierenden an, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln schlecht oder sehr schlecht auszukommen, wobei dies auch vom Bildungsgrad der Eltern abhängig ist: 30 Prozent der Studierenden aus so genannten bildungsfernen Haushalten geben an, nicht mit ihrem Geld auszukommen, bei Studierenden, die aus einem Akademiker_innenhaushalt kommen, sind es 19 Prozent. Bei der Altersgruppe zwischen 26 und 30 Jahren ist dieser Wert jedoch am höchsten, da in diesem Alter der Bezug der Familienbeihilfe endet und die Eltern weniger finanzielle Unterstützung beisteuern.

Im Schnitt stehen eine/r StudentIn 980 Euro monatlich zur Verfügung, wovon 391 Euro aus Erwerbstätigkeit, 235 Euro von der Familie, 159 Euro aus Naturalleistungen, 83 Euro aus Studienförderung und 112 Euro aus sonstigen Quellen stammen.

41 Prozent der Studierenden bekommen keinerlei Förderung – also weder Familienbeihilfe noch irgendeine Art von Stipendum. Die durchschnittliche Stipendienhöhe liegt momentan bei ungefähr 280 Euro – davon kann unserer Meinung nach Niemand leben!

Die Erhebung beweist dabei zusätzlich, dass vor allem Studierende aus sozial schwächeren Schichten zum Arbeiten gezwungen sind. Dieser Umstand bleibt während der gesamten Studienlaufbahn bestehen.

Die Unis sind weiter sozial selektiv – nur zehn Prozent der Studierenden in Österreich kommen aus einer Familie, in der zumindest ein Elternteil nur eine Pflichtschule abgeschlossen hat. Jede/r fünfte StudentIn kommt aus einem Akademiker_innenhaushalt, ein weiteres Viertel der Studierenden hat einen Elternteil mit Matura. Außerdem sehr bedenklich: Der Anteil an Studierenden aus sozial niedrigen Schichten (zu der beispielsweise Pflichtschulabsolvent_innen und Eltern mit berufsbildender mittlerer Schulbildung, die in Arbeiter_innen- bzw. Angestelltenpositionen ohne Leitungsfunktion tätig sind, zählen) an Unis und Fachhochschulen (FH) ist sogar noch gesunken – nämlich von 26 auf 19 Prozent zwischen 1998 und 2009.

Während an den Unis Akademiker_innenkinder zweieinhalbmal öfter vertreten sind als solche aus bildungsferneren Schichten, sind es an den FH “nur” eineinhalb Mal so viele.

Das bedeutet: Auch weiterhin bestimmt vor allem die Bildung der Eltern, ob du studieren kannst.

Aber auch die regionale Herkunft spielt bei der Bildungsbeteiligung eine relativ gewichtige Rolle: in Wien nehmen 52 Prozent eines Altersjahrgangs ein Studium auf, in Vorarlberg sind es nur 25 Prozent. Der steirische Wert liegt bei 36 Prozent.

Generell kann gesagt werden, dass Studierende aus Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg an österreichischen Hochschulen unterrepräsentiert sind.

Die Ergebnisse zur gesundheitlichen Situation von Studierenden sind alarmierend: Fast zwei Drittel der befragten Studierenden geben an, unter Stress und psychischen Belastungen zu leiden. Knapp ein Drittel wurde durch Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten, 15 Prozent durch psychische Probleme und Ängste an ihrem bisherigen Fortschritt am Studium behindert.

Bei der Gesundheit spielt die finanzielle Situation ebenso eine Rolle: 30 Prozent der Studierenden, die mit ihrem Geld nicht auskommen, leiden unter Versagensängsten, hingegen sind es bei jenen ohne finanzielle Probleme nur 16 Prozent.

Auch die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) bezieht zu den alarmierenden Zahlen Stellung: Man sei sich der Problematik bewusst, mit der sich viele Studierende auch angesichts der in den letzten Jahren stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und damit der Finanzierung ihres Studiums konfrontiert sehen.

Das Österreichische Studienförderungssystem geht grundsätzlich davon aus, dass alle Studierenden finanziell so abgesichert sind, dass sie ohne einen Nebenjob studieren können. Dass dieses System mehr als versagt hat, beweisen die obenstehenden Zahlen. Wie hoch die Zahl derer ist, die aus finanziellen Gründen erst gar kein Studium beginnen, ist ungewiss. Der VSStÖ fordert deshalb schon seit Langem als Lösung die Einführung eines Grundstipendiums von monatlich 770 Euro für alle, das mittels einer Vermögensteuer finanziert werden soll. Das Grundstipendium wird in dieser Form rund 2,1 Milliarden Euro kosten. Da das Grundstipendium allerdings die derzeitigen Förderungssäulen Studienbeihilfe und Familienbeihilfe ersetzen soll, könnten so schon einmal 400 Millionen Euro eingespart werden. Wie soll aber der Rest finanziert werden? Ein zentraler Bestandteil unseres Grundstipendium-Modells ist dessen umverteilende Wirkung. Um diese auch garantieren zu können, soll das Grundstipendium über eine Vermögenssteuer finanziert werden. Diese Steuer führt dazu, dass die Last der Studienfinanzierung vom Mittelstand auf das Vermögen überwälzt wird. Der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister hat ein Vermögenssteuermodell entwickelt, das insgesamt 3,4 Milliarden Euro pro Jahr bringt. Von diesen 3,4 Milliarden müssten gerade einmal 1,7 Milliarden Euro (also die Hälfte) für das Grundstipendium verwendet werden.

Der Nationalrat soll die Studierenden-Sozialerhebung, die das Institut für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des Wissenschaftsministeriums erstellt, bis spätestens Juni 2010 zu Gesicht bekommen. Dann wird sich zeigen, ob Änderungen angedacht sind und Fördersysteme weiter ausgebaut werden. Wir fordern: Die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl muss endlich ihre Augen öffnen und das marode und lückenhafte Stipendiensystem komplett umbauen. Als erster Schritt wäre eine Erweiterung des Bezieher_innenkreises und eine Erhöhung wünschenswert. Wer langfristig garantieren will, dass alle Menschen studieren können, egal aus welcher sozialen Schicht sie kommen, kann nur ein Grundstipendium für alle einführen!

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