Seit Neuesten haben es ÖVP(mit Intention) und SPÖ geschafft (noch immer habe ich die Hoffnung, dass sie es einfach nicht besser wissen, aber diese Hoffnung schwindet von Tat zu Tat der SPÖ)  die Studieneingangsphase, die ein Jahr dauern soll,  in eine zusätzliche Schulklasse nach der Matura zu verwandeln. Was bedeutet diese Weichenstellung nun? Erstens wird die Matura von oben, also von der nächsthöheren Bildungsebene, dem tertiären Sektor, entwertet, weil sie keine Garantie mehr liefert, einen Studienabschluss zu erarbeiten.  Matura als inhaltliches Kriterium reicht nicht mehr aus, es wird ein zweites Selektionsinstrument implementiert.

Zweitens ist die „Schulklasse“ deshalb als verschultes Instrument zu verstehen, weil nach Bericht des Standard, man ein gesamtes Schuljahr verlieren kann und die gesamte Klasse(ein Jahr) wiederholen muss. Was daran noch universitär sein soll, ist eine andere Frage, hier geht es mir hauptsächlich um die Konsequenzen. Denn es könnte ja sein, dass eine zusätzliche Schulklasse, die in der Mitte zwischen Uni und Schule angesiedelt ist, gut für Studierende ist, weil sie sie in den Universitätsalltag integrieren und so der Übergang ein fließender ist.

Dieser Punkt erklärt aber noch nicht warum ALLE diese Fächer positiv absolviert werden müssen und im Falle des Nicht-Bestehens dann ALLE wiederholt werden müssen. Damit wird der sogenannten Studieneingangsphase, der „Studieneingang“ genommen, weil die orientierende Funktion verloren geht.   Als ob man nicht wüsste, dass das Studium das geeignete ist, wenn man 90% der Prüfungen positiv absolviert hat. Ökonomisch lässt sich dies nicht argumentieren, da die Mehrkosten der Wiederholenden sicherlich nicht gering ausfallen werden. So ist es also nicht kostensenkend und schon gar nicht logisch sinnvoll, wenn es eine Eingangsphase sein sollte.

So werden Universitäten, die ja sparen müssen, aus dieser Phase eine Knock-Out-Schulklasse machen, da sie nur in dieser  Konzeption Sinn macht, Orientierung ist im besten Fall noch ein Nebeneffekt.  Wer wird in dieser Schulklasse benachteiligt?  All jene die nicht das Geld haben, sich die entsprechende Vorausbildung oder mehrmaliges Wiederholen zu leisten. Nach Konzept  profitieren in dieser Schulklasse also diejenigen, die gut in der Schule sind, und jene die Zeit oder Geld haben, sich „einzukaufen“. Also wird der Leistungsstandard der vermögenden Menschen im Durchschnitt schlechter sein, als der, der weniger vermögenden Menschen – denn diese müssen einfach besser sein. Für die Wohlhabenderen reicht es das nötige Wissen sich weniger stressig davor(durch bezahlte Vorbereitungskurse) oder danach(durch Wiederholen) anzueignen. Das ist sozial ungerecht, und bricht mit der Vorstellung der Leistungsgerechtigkeit(die ja angeblich auch in der ÖVP als hoher Wert gilt). So werden nicht die Besten ausgewählt sondern, die Besten und die Mittelmäßigen mit genügend Kapital.

Die SPÖ hat also eine Dummheit begangen. Wenn die Mitglieder der SPÖ schon nicht Marx lesen, so sollten sie sich doch mit den plausiblen Grundgedanken auseinandersetzen, die auch noch heute Gültigkeit haben(und nicht wiederlegt wurden).  Wenn ein_e SPÖler_in das liest, soll sie bedenken, dass Ideen und Ideologien, wenn nicht ausschließlich, aus der ökonomischen Lage ergeben.  Diese sozial schwachen Leute von der Bildung auszuschließen, heißt, dass linke Opinion-Leader(im weitesten Sinn) nicht im großen Maßstab durch universitäre Bildung entstehen können.  Menschen die eine gewisse Grundbildung haben, können zwar  vorhandene Meinungen von diesen Opinion-Leader_innen abwägen. ABER wenn es diese nur auf einer Seite gibt, stört dies einen Meinungsbildungsprozess, der ALLEN zu Gute käme. Der Nutzen kommt nun der wohlhabenden Klasse zu – die ärmeren (leistungsstarken) Menschen werden ausgegrenzt, und mit einer Flut von bürgerlichen Meinungsbilder_innen überflutet, so dass sie nicht einmal merken, dass sie ausgegrenzt bzw. ausgebeutet werden, weil es zu wenige gibt, die sie auf diese Idee bringen könnte. Die SPÖ kann also nur verlieren. Ihre Klientel die sie vertritt, verliert sowieso – ungeachtet der Leistungen im sekundären Sektor, die die SPÖ zustande bringt. Deshalb fordere ich, als Vertreter des VSStÖ, dass die SPÖ bitte keine Zugangsbeschränkung durch eine zusätzliche Schulklasse umsetzt. Nichts spricht für die Hinrichtung einer Orientierungsphase zu Gunsten einer Knock-Out-Episode mit dem primären Ziel,  Studierendenzahlen zu reduzieren. Sozialdemokratie, was haben Sie nur getan?

avatar

Über die/den Autor_in Manuel Weichinger

Manuel Weichinger hat bereits 29 Einträge geschrieben.

Ich studiere Soziologie und habe meine Interessensgebiete sind: Neue Technologien, Umwelt und Klimawandel, Sozailphilosophie und Gerechtigkeit bzw. natürlich auch Bildung in allen Formen. Ich bin beim Vaust, weil ich glaube, dass ich hier zumindest die Welt ein wenig zu einem besseren Ort machen kann. auch wenn es nicht viel ist, was ich beitrage, so trage ich doch ein wenig bei.

No related posts.