Die ideologische Verbohrtheit der „Studiengebührendiskussion“, die wir meinen?
Es gibt keine Bildungs-Diskussion oder Debatte, wo das Thema Studiengebühren nicht andiskutiert werden würde. Die Podiumsdiskussion ‘Bildung, quo vadis?’ von der SPÖ Steiermark, dem VSStÖ und anderen ‘roten’ Organisationen lieferte einige interessante neue Erkenntnisse. Ich möchte zu den Aussagen vom Vizerektor für Studium und Lehre, Herrn Polaschek, einige Anmerkungen machen. Was er gesagt hat, entbehrt gewiss nicht jeder Grundlage, doch einige seiner Aussagen haben sich im Kern widersprochen. Ich möchte kurz paraphrasieren, welche drei Punkte ich zu dem Thema Studienbeiträgen herausgehört habe (neben der inhaltlichen Ablehnung der jüngsten Aussagen Sünkels in Bezug auf Zugangsbeschränkungen):
- Die SPÖ solle sich bei den Studienbeiträgen nicht so ideologisch verbohrt zeigen. Er toleriere zwar die sture Haltung der SPÖ, doch kann er sie nicht ganz nachvollziehen.
- Die Abschaffung der Studienbeiträge sei populistisch gewesen und den Universitäten wurde das verlorene Kapital vorenthalten. Es sei selbst unteren Schichten Studienbeiträge zuzumuten. Des Weiteren meinte er, es könnte doch von den Parteiakademien Geld zugeschossen werden, weil da immer weniger Menschen ausgebildet werden.
- Er verwies ebenfalls darauf, dass die Universitäten unter Kapitalnot leiden, aber immer mehr Studierende kommen. Die Politik sei gefordert, hier entsprechende Schritte zu setzen. Das Problem sei ja nicht neu.
Wenn aber die Studienbeiträge eine ideologische Blockadehaltung innehaben, dann kann die Abschaffung nicht populistisch sein, weil diese Meinung lange in der Sozialdemokratie existierte und diese eben nicht (nur) aus Wahlkampfkalkül abgeschafft wurde. Zu dem ökonomischen Argument der Studienbeiträge könnte man zustimmen, aber es gibt immer die psychologische Barriere. Wenn eine Studentin 10 Semester studierte und 3.630 Euro ausgegeben hat, aber noch 6 Semester studieren muss, dann wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit abbrechen. Weil alle Beihilfen wegfallen. Als nutzenrationale Frau wird sie aber überlegen: 6 Semester, das sind noch einmal 2.178 Euro und noch einmal kann ich 3 Jahre unter miesen Bedingungen leben und habe nur Arbeit um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren und Studium. Für sie ist es also rational, das Studium abzubrechen, weil man die zuvor getätigten Kosten nicht einrechnet, wie sich das für gute Betriebswirtschafter_innen gehören würde. Studium abgebrochen, weil die langfristigen Investitionseffekte zu weit entfernt liegen. Nebenbei blockieren Studienbeiträge als ideologische Barriere unverhältnismäßig stärker. Es macht einen Unterschied, ob mensch glaubt, es sei gratis oder es sei etwas zu bezahlen. Hier geht es nicht um die Menge – die Menschen werden bloß von dem Gedanken abgehalten. Das Studium kostet so oder so viel Geld, weil ein Studium Zeit braucht. Wenn Zeit gleich Geld ist, dann geht es bei den Studienbeiträgen hauptsächlich um ideologische Barrieren, weil diese Barriere dann immer in den Gedanken der zukünftigen Anfänger_innen schwelt.
Um zum Populismus zurückzukommen: Wenn jemand sagt, es sei populistisch, die Beiträge abzuschaffen, ist es genauso populistisch, zu sagen, den „Parteikaderschmieden“ sei etwas wegzunehmen. Also kann dies nicht als Argument gewertet werden, höchstens als polemische Aussage (die angesichts der katastrophalen Lage der Unis aber gewisse Toleranz entgegengebracht werden muss).
Was auch zum Kontra der Studienbeitragsabschaffung führt, das Herr Polaschek hervorbrachte: Mensch kann zu den Studienbeiträgen stehen, wie er will, aber mit ihnen wird die Universität weiter privatisiert. Nicht im tatsächlichen Sinn. Sondern im Sinn der breiten Bevölkerung, die glaubt, die Universität sei dann selbst verantwortlich, mit ihrem Geld umzugehen, weil ja jede_r Studierende_r etwas beitragen würde. Nicht dass dies stimmen würde, nein, aber es würde in der Krone so verlautbart werden und Bürger_innen würden das so glauben. Weiters kann die Politik (wie sie das auch gemacht hat) den schwarzen Peter an die Universitäten schieben und argumentieren, sie seien zu „blöd“, mit dem Geld auszukommen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Deswegen ist es für die ÖVP so relevant, dass sie die Studiengebühren wieder einführen wollen, weil einerseits das Finanzierungsproblem privatisiert werden könne, andererseits ihr Klientel nicht vergrämt (da diese trotz alledem studieren könnten). Wer also der Meinung ist, die Politik solle sich endlich bemühen und für Ausfinanzierung sorgen, kann nicht für Studiengebühren sein, weil diese das „Problemfeld Uni“ auf die Uni selbst verlagert. Die Politik ist dann fein raus. Ohne Studienbeiträge bleibt ersichtlich, dass die Politik versagt und nicht die Universitäten. Trotz alledem möchte ich mich für die anregenden Beiträge unseres Vizerektors bedanken. Im Prinzip sitzen Studierende und “Universitätsmanager” in einem Boot, das unterzugehen droht.
Über die/den Autor_in Manuel Weichinger
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Ich studiere Soziologie und habe meine Interessensgebiete sind: Neue Technologien, Umwelt und Klimawandel, Sozailphilosophie und Gerechtigkeit bzw. natürlich auch Bildung in allen Formen. Ich bin beim Vaust, weil ich glaube, dass ich hier zumindest die Welt ein wenig zu einem besseren Ort machen kann. auch wenn es nicht viel ist, was ich beitrage, so trage ich doch ein wenig bei.
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Dieser Beitrag wurde durch Manuel Weichinger am 1. Juni 2010 um 17:33 erstellt und ist in Bildungspolitik, Soziales/Sozialpolitik kategorisiert. Jede Reaktion auf diesen Beitrag kannst du mit RSS 2.0 verfolgen.Du kannst eine Antwort oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen.
