Archiv für September, 2010
Equal Pay Day – ab heute arbeiten Frauen Gratis
0Heute ist der “Equal Pay Day” – ab heute arbeiten Frauen, bedingt durch 26,2% weniger Verdienst, bis ans Jahresende gratis.
Mit einer Aktion haben der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), die Aktion kritischer SchülerInnen (aks) und die Sozialistische Jugend (SJÖ) in Wien ein Zeichen gesetzt um Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen am Arbeitsmarkt aufzuzeigen. Ziel war es, mit Stolpersteinen auf die Hürden aufmerksam zu machen mit denen Frauen in der Arbeitswelt zu kämpfen haben.
„Dass Frauen im Durchschnitt immer noch um 26,2% weniger verdienen als Männer, ist ein unzumutbarer Zustand. Auch dass Frauen ab dem Equal Pay Day gratis arbeiten müssen, während Männer voll ausbezahlt werden, ist nicht mehr hinzunehmen.“ so Stefanie Grubich, Bundesvorsitzende des VSStÖ.
„In Österreichs Top 200 Unternehmen finden sich zum Beispiel nur knapp 9% Frauen in Aufsichtsräten und nur rund 4% in den Vorstandsetagen. Das heißt 96 von 100 GeschäftsführerInnen bzw. Vorständen sind Männer. Unternehmen, die Frauen benachteiligen, verzichten auf die Hälfte ihres Potenzials“, sagt Vanessa Gaigg, Frauensprecherin der aks.
„Auch im europäischen Vergleich ist Österreich in den letzten Jahren bei den Einkommensunterschieden zurückgefallen. Anstatt die Einkommensschere zu schließen setzt Österreich anscheinend alles daran sie noch mehr zu erweitern,“ ist Sybilla Kastner, Frauenpolitische Beauftragte der SJÖ, entsetzt.
„Wir fordern deshalb, dass es endlich sanktionierbare Maßnahmen im Bereich der Wirtschaft und schlagkräftige Instrumente, um diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Durch gesetzliche Bestimmungen muss aktive Frauenförderung in allen Betrieben durchgesetzt werden. Auch die geschlechtsspezifische Berufswahl muss ein Ende haben. Es gehören mehr Frauen in Führungspositionen und nicht weniger,“ fordern Grubich, Gaigg und Kastner.
Doch auch auf Ungerechtigkeiten gegenüber im öffentlichen Dienst arbeitender Frauen darf nicht vergessen werden. Ministerin Heinisch-Hosek und Bundeskanzler Werner Faymann sind zum schnellen Handeln aufgefordert!
Ein Beratungsreferat für die ÖH Uni Graz
0Die Österreichische Hochschüler_innenschaft an der Uni Graz, immerhin die zweitgrößten Universität Österreichs, schafft es seit vielen Jahren nicht, ein Beratungsreferat einzurichten. Auf anderen ÖHs wie in Wien und in Innsbruck ist es üblich, dass das Bildungspolitischen Referat, welches vor allem mit Stellungnahmen zu Studienrecht betraut sein sollte, von einem Beratungsreferat, das Studierende oder potentielle Studienanfänger_innen berät, unterstützt wird. Dies war jedoch bis jetzt auf der ÖH Uni Graz nicht möglich – auch unter 8 Jahren FLUG-Vorsitz nicht.
Der Aufwand an der ÖH Uni Graz ist mehr als groß genug, eine Trennung dringend notwendig – denn wie soll man 27.000 Studierende beraten und gleichzeitig die wichtigsten Veränderungen auf der Uni mitverfolgen und kommentieren können? Peter Gaube ist für den VSStÖ Referent für Bildung und Politik der ÖH Uni Graz. Er spürt am eigenen Leib, welche Menge an Arbeit anfällt: “Es ist wirklich kaum möglich, Stellungnahmen zu verfassen, Leitfäden zu schreiben, dem Wissenschaftsministerium und den Uni-Gremien für das Wohl der Studierenden auf die Finger zu sehen und dazu auch noch qualitativ hochwertig zu beraten.”
Fordern ist das eine – umsetzen aber wieder etwas völlig anderes. Aus diesem Grund versuchen wir nun im Zuge einer Änderung der Satzung der ÖH Uni Graz fraktionsübergreifend einen Konses herzustellen und endlich dieses dringend notwendige Referat einzuführen. Die Beratung (angehender) Studierender darf nicht unter dem alltäglichen Arbeitsaufwand leiden.
Deswegen arbeiten wir vom VSStÖ auch nachdrücklich an der Einführung eines Beratungsreferats an der ÖH Uni Graz.
Die Republik auf Schadensersatz wegen Studienzeitverzögerungen klagen
0Der Semesterbeginn naht, und damit auch die Zeit des Banges, ob man einen Platz in den Lehrveranstaltung die man am Dringendsten braucht, bekommt. Das ist längst für viele Studierende Normalität geworden. Doch das Universitätsgesetz sieht vor, dass genügend Lehrveranstaltungen angeboten werden damit alle Studierenden in Mindeststudiendauer studieren können. Die ÖH Bundesvertretung führte seit 2005 einen Musterprozess wegen Studienzeitverzögerung gegen die Republik Österreich, eine sogenannte Amtshaftungsklage auf Schadensersatz.
Der Oberste Gerichtshof ist nun zur Erkenntnis gelangt, dass es keine Studienzeitverzögerungen geben darf. Betroffene Studierende haben grundsätzlich Anspruch auf Schadensersatz. Die Universität ist verpflichtet genügend Lehrveranstaltungen anzubieten damit alle ohne Verzögerung studieren können. EIngeschränkt wird dies nur durch „massive wirtschaftliche Einschränkungen“. Dass die Universitäten die haben ist zwar bekannt – doch die Schuld daran trifft die Republik Österreich. Darum wird diese jetzt von der ÖH geklagt.
Wenn du betroffen bist und folgende Kriterien erfüllst kommt auch dein Fall für eine Klage in Frage (die Prozesskosten übernimmt wenn es dazu kommt die ÖH Bundesvertretung):
- Dein Curriculum enthält eine Lehrveranstaltung mit beschränkter TeilnehmerInnenzahl (meist Veranstaltungen mit immanentem Prüfungscharakter wie Seminare)
- Trotz Erfüllung der formellen Teilnahmevoraussetzungen vor Ende der Anmeldefrist hast du keinen Platz in dieser Lehrveranstaltung erhalten.
- Dir entsteht dadurch eine Studienzeitverzögerung, welche auch nicht durch Umschichtungen wie zB durch Vorziehen anderer Lehrveranstaltungen aufgeholt werden kann.
- Es wurden keine Parallellehrveranstaltungen angeboten die eine Studienzeitverzögerung verhindern hätten können.
- Durch die Verlängerung des Studiums drohen dir materielle Schäden wie zB Verdienstentgang bei späterem Berufseintritt, Verlust von Beihilfen, Kosten des Studiums, …
FPÖ Steiermark – Wahlkampf auf Rechtsextrem
0Die FPÖ Steiermark unter Dr. Gerhard Kurzmann bemüht sich wirklich mit allen Mitteln, einen möglichst tiefen, menschenfeindlichen Wahlkampf zu machen. Wie ja bereits bekannt wurde, hat sich die FPÖ Stmk gegen einen Spindoktor aus der eigenen Bundespartei und für Alexander Segert entschieden.
Den kennen wir alle: Segert arbeitet oft für die SVP (Schweizer Volkspartei) und ist unter anderem für deren “Schäfchenplakat” und das Plakat für das Schweizer Anti-Minarett-Volksbegehren verantwortlich. Jetzt arbeitet er für die FPÖ Steiermark. Sein erster Cup war das “Unser Geld für unsre Leut”-Plakat, welches einen schallend lachenden Griechen mit einem Packen 500€-Scheine zeigte, daneben den Namen “Spiros Latsis”. Hier möchte ich den ganz oben (und jetzt hier) verlinkten DATUM-Artikel zitieren:
So heißt ein Banker, der deutschen Medienberichten zufolge durch die Griechenland-Hilfe zum Krisengewinner wurde – seine milliardenschweren griechischen Staatsanleihen wären ohne europäisches Rettungspaket wertlos geworden. In Österreich kennt ihn kein Mensch, darüber hinaus ähnelt er dem Griechen auf dem Plakat kein bisschen. Der FPÖ ermöglicht es aber so, Vorurteile zu schüren und gleichzeitig zu versichern, es gehe nicht ums griechische Volk, sondern bloß um die bösen Banker.
Segert ist ein Meister der Provokation und des einfachen Kommunizierens politischer Botschaften. Hierzu schreckt er jedoch auch vor so gut wie nichts zurück: um die populäre “Umvolkungs”-Lüge vieler Rechtsextremer und der FPÖ für Jugendliche möglichst einfach verständlich zu machen, gibt es nun das Spiel “Moschee baba”.
Hier bemüht man sich gar nicht mal mehr, irgendetwas verstecken zu wollen: wer alle Minarette, Moscheen und Muezzine abschießt, gewinnt. Gelingt das nicht, ist Graz plötzlich voller Moscheen.
Erst kürzlich wurde das Spiel veröffentlicht, schon hagelt es Reaktionen: Werner Kogler verklagt die FPÖ wegen Volksverhetzung (wir wünschen ihm Erfolg!), Laura Rudas beschränkt sich auf das, was sie kann und macht eine OTS-Aussendung.
Aber Segert und die FPÖ haben wieder einmal erreicht, was sie wollen: Öffentlichkeit. Ihnen geht es nicht um ein Programm, ihnen geht es schlicht darum, im Gespräch und dadurch bis zur Landtagswahl am 26. September allen ein Begriff zu sein. Mit anderen extremen Aussagen (z.B. über die Waffen-SS) bemüht sich der Historiker Kurzmann (sic!) um Medienpräsenz. Und bekommt sie. Schade, eigentlich.

