Es geht nicht darum, dass die politische Elite eine Politik der Nicht-Politik gemacht hat, sondern es geht darum, dass die Politik, die sie gemacht haben, extrem kurzsichtig ist. Es geht darum, dass Studienanfänger_innen in Massenfächern wie in BWL und Psychologie gesagt wird, sie sollen sich spezialisieren, um danach bessere Berufschancen zu haben. Aber geht das? In der derzeitigen Budgetsituation können die Studierenden froh sein, wenn sie irgendeinen LV-Platz ergattern – manchmal ist auch nach einer Woche Uni-Betrieb nicht klar ob man nun den gewünschten Platz bekommt. Die Leute sind dann froh, dass sie irgendetwas machen können – die Spezialisierung muss auf später verschoben werden.

So muss die Studieneingangsphase offensichtlich als Knock-Out-Phase gedacht werden, weil sowieso nicht genug Geld für alle Studierenden da ist. Gerade bei den Naturwissenschaften, wo ein Studienplatz sehr teuer ist(Laborplätze). Aber auch die Geistes- und Sozialwissenschaften betrifft’s: Denn momentan sollte es üblich sein, dass auch forschungsgeleitete Lehre auf computergestütztes Lernen basiert. Damit sind nicht WebCt oder Moodle gemeint, sondern Texterkennungs-Programme, Software für die empirische Sozialforschung(z.B. SPSS), SAP, Matlab usw..

Viele der teureren LV-Plätze, in denen der Umgang mit Software trainiert wird, kann sich die Uni nicht mehr leisten, also greift sie auf Knock-Out-Phasen zurück oder sie erhöht die Teilnehmer_innenbegrenzung. Und die, die weiterkommen müssen sich trotzdem noch immer um ein vermindertes Lehrveranstaltungsangebot streiten.

Wenn man den Horizont ausweitet und nicht nur von den momentanen Ressourcenproblemen ausgeht, sondern von den steigenden Studierendenzahlen (WS 2010: ungefähr 30.138), dann fällt auf, dass die Universitäten neue Gebäude benötigen. Das ReSoWi-Zentrum wurde für 8.000 Studis konstruiert, momentan studieren in etwa 12.000 an den beiden Fakultäten. Neue Gebäude benötigen Zeit bis sie fertiggestellt sind und brauchen vor allem viel Geld. Wenn jetzt das Geld fehlt, wirkt sich das auch auf zukünftige Studienanfänger_innen aus.

Doch es ist so, dass ja Bologna neben der Studienreform auch eine Strukturreform ist. Ihr Ziel ist es unter Anderem die neue Situation mit vielen neuen Studierenden verkraften zu können. Jedoch benötigen Strukturreformen Geld – und dieses Geld für die Reform wurde auch nicht bereitgestellt. Zusätzlich zu dem Geld das für zusätzliche Studierende nicht bereitgestellt wurde, wurde auch die Bologna-Reform nicht finanziert. Dieses Geld muss dann von der Lehre, Forschung, Verwaltung und vor allem von neuen Investitionen abgezogen werden – denn die Reform muss umgesetzt werden. Also im Ganzen weniger neue Gebäude und weniger qualitativ hochwertige LVs. Weniger Uni und damit weniger Bildung. Nur weil die Unterfinanzierung Dauerzustand ist, heißt das noch lange nicht, dass es deswegen normal ist. Gegen diesen Dauerausnahmezustand wird protestiert.

Manuel Weichinger für den VSStÖ Graz

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Ich studiere Soziologie und habe meine Interessensgebiete sind: Neue Technologien, Umwelt und Klimawandel, Sozailphilosophie und Gerechtigkeit bzw. natürlich auch Bildung in allen Formen. Ich bin beim Vaust, weil ich glaube, dass ich hier zumindest die Welt ein wenig zu einem besseren Ort machen kann. auch wenn es nicht viel ist, was ich beitrage, so trage ich doch ein wenig bei.