„Endlich mehr Studierende“ – daran denkt niemand, wenn er_sie einen vollen Hörsaal betritt. Trotzdem ist es mehr als Notwendig, dass „so viele“ studieren. Sie auszusperren oder rausprüfen ist nicht der richtige Weg.

In Österreich wurde Jahrzehnte lang nichts richtig gemacht, was die Universitäten betrifft und jetzt haben wir den Salat. Überfüllte Hörsäle, ewig lange Wartelisten für Seminare und Prüfungen, veraltete Gebäude, veraltete Technik, kaum noch Lust am Studieren. Für viele zählt vor allem eines: fertig werden. Dazu, so glauben manche, brauche es an der Uni Ellbogen. Wir sagen das auch. Denn es braucht Ellbogen, um sich einhängen zu können. Zusammen sind wir mehr und können das verändern, was jetzt schief läuft.

Deswegen ist es auch Schwachsinn, Menschen vom Studieren, teilweise mit sehr zwielichtiger Argumentation, vom Studieren abhalten zu wollen. Zugangsbeschränkt wird mit mannigfaltigen Möglichkeiten: Aufnahmeprüfungen, Studiengebühren, KnockOut-Studieneingangsphasen etc.

Warum das nicht gerecht ist?

Aufnahmeprüfungen können niemals zeigen, wie gut jemand wirklich in dem Fach ist, für das er_sie gerade die Prüfung absolviert. Von zu vielen Faktoren ist der Ausgang einer solchen Prüfung abhängig. Bist du schlecht drauf? Die Chance auf ein negatives Ergebnis steigt. Bist du krank? Ebenso. Heute morgen von deinem Freund/deiner Freundin getrennt? Ebenso. Und momentane Black-Outs, die kennen wir wohl alle.

Studiengebühren sind sozial ungerecht. Sie brachten bei ihrer Wiedereinführung 42 000 Studierende dazu, ihr Studium abzubrechen, da sie es sich nicht mehr leisten konnten, eine Universität zu besuchen. Viele andere verschuldeten sich, um ihr Studium zu beenden – gebracht hat es nichts, die Studienbedingungen haben sich nicht verbessert. Die Budgets der Universitäten wurden genau um die Einkünfte der Studiengebühren gesenkt.

KnockOut ist momentan in aller Munde. Die Regierung hat sich auf eine verschärfte STEP (Studieneingangsphase) geeinigt, die neuen Studierenden genau zwei Prüfungsantritte zugestehen und so prüfen will, ob jemand für das jeweilige Studium geeignet ist. Wer bei beiden Prüfungsantritten durchfällt, muss das Studium oder die Universität wechseln. Anstatt also wirklich etwas gegen die immer höhere Drop-Out-Quote zu unternehmen, wird aussortiert, bis nur noch eine kleine Elite studieren kann. Das Ziel der ÖVP – und die SPÖ spielt mit.

Wir müssen endlich weiter gehen und sehen, was passiert, wenn Zugangsbeschränkungen eingeführt werden. Uns als Studierende betreffen Master- und PhD-Beschränkungen vor allem, aber wir müssen auch mit denen, die noch nicht auf der Uni sind, solidarisch sein – gleich Chancen für alle, das ist Gleichheit.

Über die/den Autor_in Klemens Wieringer

Klemens Wieringer hat bereits 27 Einträge geschrieben.

...studiert Philosophie und ist ehemaliger Vorsitzender des VSStÖ Graz.