Beiträge von Christopher Pieberl
Johanna Dohnal – Emanze, Kämpferin, Vorbild
0„Es gibt Menschen, die im Volk die absolute Mehrheit stellen und im Parlament die wenigsten Sitze haben. Fragen Sie die Männer, warum.“
Mit Johanna Dohnal verliert nicht nur die Sozialdemokratie, sondern ein ganzes Land eine Frau, die den Weg für eine moderne Frauenpolitik geebnet hat.
Der Kampf für die Anliegen der Frauen war das Wichtigste in ihrer Karriere, die früh begann und sie 1990 bis an die Spitze des neu geschaffenen Frauenministeriums führte.
Johanna Dohnal verstarb am 20. Februar 2010 an ihrem Herzleiden.
Schon vor mehreren Jahrzehnten der heutigen Zeit teilweise voraus, war „Emanze“ für Johanna Dohnal ein Kompliment. Ihr ging es darum, was das Wort Emanzipation bedeutet, nämlich die „Befreiung von Abhängigkeiten“.
Wenn man ihre Biografie betrachtet, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie ein Gespür für eben diese Befreiung hatte.
Geboren am 14. Februar 1939, aufgezogen von ihrer Großmutter in ärmlichen Verhältnissen. Nach der Pflichtschule erlernt sie den Beruf einer Industriekauffrau, eine höhere Schulbildung scheitert am Geld. Bereits mit 17 Jahren tritt sie der SPÖ bei, mit 18 heiratet sie Franz Dohnal (und bleibt 19 Jahre mit ihm verheiratet), bekommt einen Sohn und eine Tochter. Daneben wächst ihr politisches Engagement. (weiterlesen …)
Prächtig Brechtig #11
0Am 25. April 2010 finden die Bundespräsidentschaftswahlen statt. Eine der denkbar unspannendsten Wahlen, die dieses Land so zu bieten hat.
Zumindest schien das so vor ein paar Monaten. Die ÖVP haderte mit dem Aufstellen eines eigenen Kandidaten (Pröll Senior) und die Grünen haben zwar laut gebellt, aber im Endeffekt nicht zugebissen.
Alexander Van der Bellen ist vermutlich der einzige Grüne, der jemals eine Chance gehabt hätte, aber dieser hatte auch nicht mehr zu bieten, als bei Kaffee und Zigaretten eine Wahlempfehlung für den „Marxisten“ Heinz Fischer abzugeben. VdB ignorierte beinhart die Bemühungen eines Grünen “Von und Zu” aus Kärnten. Auch gut. Wer wäre Heinz „Che Guevara“ Strache aka MC CHE, wenn er eine Wahl auslassen würde, also mimt die Barbara Rosenkranz eine Plattform für ihren Master of Ceremony und hat eingewilligt, auf einem Strache-Plakat im Kleingedruckten namentlich erwähnt zu werden und kandidiert nun für das Amt der Bundespräsidentin.
Nach anfänglichem Geplänkel und dem Befehl von Cato hat sie sich sogar von ihrer Ideologie distanziert. Die öffentliche Demütigung hat nun langsam den Mantel des Schweigens über ihr ausgebreitet. (weiterlesen …)
Misik kommt auf die Karl-Franzens-Universität!
0Und zwar am Mittwoch, dem 28. April 2010, um 19:30 in den Hörsaal 15.13 der Karl-Franzens Universität.
Auf Einladung des VSStÖ Graz und des Renner Instituts Steiermark wird der Journalist und Autor aus seinem Buch „Alles Ware – Glanz und Elend der Kommerzkultur“ lesen. Misik zeigt mit seinem Buch die neue Symbiose von Business und Kultur im Lifestyle-Kapitalismus von heute auf.
Waren sind Kultobjekte, mit denen wir unsere Identität zum Ausdruck bringen, wobei der Gebrauchswert der Produkte in den Hintergrund rückt. So kaufen wir etwa mit einem Turnschuh Fitness und mit einem iPod Trendyness. Ökonomie und Kultur sind zwei Seiten einer Medaille.
Im Anschluss gibt es außerdem die Möglichkeit, mit Robert Misik zu diskutieren.
Weitere Infos bekommt ihr unter contact[at]vsstoe-graz.at
Kein E-Voting bei der ÖH-Wahl 2011
0Beatrix Karl (ÖVP), Bundesministerin für Forschung und Wissenschaft hat in einem Standard-Interview bekannt gegeben, dass das E-Voting nicht bei der kommenden ÖH-Wahl 2011 eingesetzt werden wird. Als Gründe dafür gibt sie die mangelnden Aktzeptanz der “Bürger_innenkarte” an. Spätestens jetzt sollte allen Befürworter_innen klar sein, dass das rund 900.000 Euro teure Projekt gescheitert ist. Nur knapp 2000 Stimmen wurden elektronisch abgegeben, selbst bei der geringen Wahlbeteiligung ist das ein schlechtes Ergebnis.
Kritiker_innen, wie die ÖH und der VSStÖ, haben bereits bei Bekanntwerden der Idee Alarm geschlagen. Der ehemalige Wissenschaftsminister Gio Hahn hat alle Bedenken ignoriert und das Katastrophenprojekt dennoch durchgezogen. Die großen Kritikpunkte sind nach wie vor die Gefährdung des freien, geheimen und persönlichen Wahlrechts sowie die Möglichkeit das Wahlverhalten abzurufen oder die Wahlergebnisse zu manipulieren.
Dessen ungeachtet betrachtet Karl die elektronische Wahl als vollen Erfolg und bezeichnet sie als “Briefwahl des 21. Jahrhunderts” (aus derstandard.at). Das auch bei der Briefwahl immer wieder kritisiert wird, dass auch hier das freie, geheime und persönliche Wahlrecht nicht gänzlich gewährleistet wird, weiß die Ministerin scheinbar nicht. Der VSStÖ befürchtete 2009 schon, dass die ÖH-Wahl als Versuchskaninchen und Testfeld missbraucht wird und die Befürchtung kann nach diesem Interview nicht entkräftet werden. Auch wenn die ÖH-Wahl das nächste Mal verschont bleiben wird, ist zu befürchten, dass schon bald andere Wahlen mit diesem verfassungsrechtlich sehr bedenklichen und undurchschaubaueren System durchgeführt werden.
Der VSStÖ Graz fordert die sofortige Einstellung des Projekts E-Voting und ein Bekenntnis aller involvierten Politker_innen zum freien, geheimen und persönlichen Wahlrecht. Es wurden bereits genug Steuergelder für dieses Experiment verschwendet, stattdessen sollte die Bundesministerin das Geld lieber in die Universitäten und den freien Hochschulzugang investieren!
Weiter Infos zum e-Voting findest du unter papierwahl.at
Prächtig Brechtig #9: Ich will mehr!
0Der neunte Teil der prächtigen Kolumne erscheint dieses Mal online und kann nicht mehr warten bis zum Relaunch der neuen Zeitlinks. Neue Zeitlinks: das schreit nach mehr. Mehr Platz, mehr Spaß, mehr kluge Sprüche. “Mehr” ist ohnehin das Schlagwort dieser Zeit. Studierende wollen MEHR Geld für Bildung, die SPÖ will MEHR WählerInnen, die FPÖ will MEHR AusländerInnen abschieben, Josef Pröll möchte gerne MEHR Nulldefizit und Werner Faymann will noch MEHR Wohlfühllächeln an MEHR KroneleserInnen schicken. MEHR halt.
Im Endeffekt ist es vermutlich egal wer was wie MEHR macht. Vielleicht liegt es auch an den Zeiten der Krise, die uns im Taumel der Wohlstandsschrumpfung, nach MEHR verlangen lässt. Bestimmt ist das ein Mechanismus des Neoliberalismus, der uns MEHR verlangen lässt, damit wir MEHR Kraft haben um durch unseren MEHRwert das Wirtschaftswachstum ordentlich anzukurbeln. Oder wir spüren einfach, dass Weihnachten vor der Tür steht (man kann schon Weihnachtskekse kaufen!).
Apropo Weihnachten: wir sollten alle viel MEHR gemeinsam machen. Wir könnten uns doch auf ein Packerl hauen und gemeinsam MEHR fordern. Das funktioniert nur, wenn wirklich alle mitmachen, vor allem die Politik. SPÖ und Grüne lassen MEHR AusländerInnen rein, damit die FPÖ MEHR abschieben kann. Und die AusländerInnen die der Strache nicht erwischt dürfen sich dann in den ÖVP-nahen Betrieben zu Tode schufften. In den Betrieben werden selbstverständlich verstärkt Solaranlagen gebaut, dann können sich die Grünen MEHR Jobs der Zukunft auf die Fahnen hefften. Dann darf die Gewerkschaft über die billigen Arbeitskräfte schimpfen, die den unsrigen den Lebensinhalt klauen (=Arbeit). Und alle die nicht mitmachen wollen schicken wir nach Kärntnen, dann kriegt das BZÖ/FPK auch irgendwie MEHR (so als Entschädigung dafür, dass die FPK keine Klubförderung kassieren kann).
So einfach geht das. Frohe Weihnachten!
