Meinung/Kommentar

Proteste 2009 und Proteste 1968 – eine Angleichung

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Die wilden Sixties sind schon lange vorbei. Die Bildungsproteste sind noch nicht einmal zwei Jahre alt und scheinen wieder längst vergangen und vergessen. Aber wer kann sagen, welche Wirkung sie hatten und noch haben werden. Ein Vergleich mit den 1968ern bietet sich an. In Graz hat sich der VSStÖ in der Zeit bis 1968 sehr stark engagiert. Ab 1962 wurde ein „linker“ Vorstand im Vaust gewählt. Er war damit vier Jahre früher dran als der VSStÖ in Wien – zu dieser Zeit begannen sich aber bereits Studierende auf die Frankfurter Schule zu berufen. Das zeugt von einer besonderen Involvierung des VSStÖ in diesen wichtigen Prozess. Der VSStÖ forderte auch schon damals das Grundstipendium, das allerdings einen anderen Namen hatte(die Idee war und ist gut).

Die Proteste in den 1968ern entbrannten deswegen, weil es einen historischen Umbruch gab. Der Zugang zu den Universitäten wurde verbreitert und es wurden immer mehr Studierende aufgenommen. Auch dies war ein Teil der Bildungsexpansion der 1960er, wo einerseits die Jugend mehr Bildung erhielt und auch Anzahl der Jugendliche die eine Breite Bildung und Ausbildung erhielten wurden auch erweitert.

In der Universität erschuf dieser Zustrom an Studierenden strukturelle Probleme. Die Uni war nur für die Crème de la Crème, eine kleine Elite gedacht, die das nötige Kapital und den sozialen Status hatten, um studieren zu können. Das schuf die gleichen Probleme wie heute. Schlechte Betreuungsverhältnisse, Verringerung der Studienqualität etc. Die studierenden protestierten anfangs, dass nur instrumentelles Wissen gelehrt wurde und die politische Funktion der Universität vergessen wurde. Weil die Universität ein essentieller Teil der Gesellschaft und der Demokratie sei, müsse sie auch politisch sein. Sie dürfe nicht als bloßes Instrument für die Industrie genutzt werden. Außerdem forderten die Studierenden eine ausreichende Finanzierung ihrer Studien. Genau das wird auch heute beklagt und gefordert – allerdings mit viel mehr Studierenden. Später haben sich die Studierenden auch gegen international geführte Kriege und den Kapitalismus an sich gewandt.

Daraus folgt, dass sich die Protest-Bewegung 2009 noch sich noch einmal repolitisieren und radikalisieren. Immerhin hatte es zwischen 1962 und 1968 sechs Jahre gedauert, bis es zum Kulminationspunkt kam  – also der Protest von 2009 hat noch vier Jahre Zeit ihr wahres Potential zu zeigen. Das können wir aus den Protesten von den 1968ern lernen. Auch die derzeitigen Proteste in Ägypten konnten von niemanden abgesehen werden – für die Folgen gilt das noch viel weniger. Man muss also die nächsten Jahre abwarten, was in Österreich noch alles geschehen kann. Wenn die Politik weiter so wissenschafts- und studienfeindlich agiert, wer weiß, was dann noch auf uns zukommt.

Manuel Weichinger für den VSStÖ

Wo kommen wir denn da noch hin?

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Niki Lauda sorgt für einen Aufschrei, indem er in einem Interview mit der Boulevard-Zeitung Österreich harsch Alfons Haider und den ORF kritisiert. Ihn stört, dass “ein öffentlich-rechtlicher ORF aus reiner Quotengeilheit, weil er Angst vor zu wenig Zusehern hat, wichtige Traditionen in diesem Land zerstört. Ich will nicht, dass meine Kinder im ORF sehen, dass ein Mann mit einem Mann tanzt – und dass sie glauben, das nachmachen zu müssen.”

Ein typisch Österreichisches Problem: “Ich hab ja nix gegen Schwule, aber …”. Niki Lauda hat Angst, dass seine Kinder glauben könnten, Haider nachahmen zu müssen. Der Fakt, dass Alfons Haider bei der ORF-Show “Dancing Stars” mit einem Mann tanzt ist ja auch der erste Schritt zur Homosexuellen-Diktatur. Schwule im Fersehen, wo kommen wir denn da noch hin?!
Lauda weiß, wohin: “Ich will auch nicht, dass ich mich eines Tages dafür entschuldigen muss, dass ich heterosexuell bin”. Bald könnte es so weit sein, dass jede_r mit jeder/jedem tanzen darf. Langsam wird dadurch unsere Jugend, offensichtliches Zielpublikum einer solchen Show, zu Schwuchteln umgevolkt. Bald wir Alfons Haider, ein Kritiker des Österreichischen Way-of-Life, König unserer Alpennation sein und junge Männer werden ausschließlich andere junge Männer begehren – denn nichts anderes haben sie im Fernsehen gesehen.

So viel Dummheit erleben zu müssen, das ist das traurige am Land Österreich. Immer, wenn so ein Aufschrei von einem alten reaktionären Mann kommt, möchte ich mich übergeben.
In eine Disko, denn dort tanzen Männer noch ausschließlich mit Frauen.

Eine Katastrophe bahnt sich an – eine (weitere) Polemik zur Bildungssituation

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Wenn man glaubt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der Todesstoß her, so wird wohl die Geschichte der Unis in Österreich enden.

Wie Thomas Knapp bereits geschrieben hat(und ich vor einer Woche mit entsetzen feststellte), wird ein Schwall an leeren Versprechungen über die vergossen, die eigentlich Bildung verdient hätten, aber ausgeschlossen werden sollen – und es sollte eigentlich kein Kriterium geben, das von Bildung ausschließt. Was aber macht BM Karl, die offensichtlich in guter Gemeinschaft mit BM Pröll ist? (weiterlesen …)

Prächtig Brechtig #11

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Am 25. April 2010 finden die Bundespräsidentschaftswahlen statt. Eine der denkbar unspannendsten Wahlen, die dieses Land so zu bieten hat.

Zumindest schien das so vor ein paar Monaten. Die ÖVP haderte mit dem Aufstellen eines eigenen Kandidaten (Pröll Senior) und die Grünen haben zwar laut gebellt, aber im Endeffekt nicht zugebissen.

Alexander Van der Bellen ist vermutlich der einzige Grüne, der jemals eine Chance gehabt hätte, aber dieser hatte auch nicht mehr zu bieten, als bei Kaffee und Zigaretten eine Wahlempfehlung für den „Marxisten“ Heinz Fischer abzugeben. VdB ignorierte beinhart die Bemühungen eines Grünen “Von und Zu” aus Kärnten. Auch gut. Wer wäre Heinz „Che Guevara“ Strache aka MC CHE, wenn er eine Wahl auslassen würde, also mimt die Barbara Rosenkranz eine Plattform für ihren Master of Ceremony und hat eingewilligt, auf einem Strache-Plakat im Kleingedruckten namentlich erwähnt zu werden und kandidiert nun für das Amt der Bundespräsidentin.

Nach anfänglichem Geplänkel und dem Befehl von Cato hat sie sich sogar von ihrer Ideologie distanziert. Die öffentliche Demütigung hat nun langsam den Mantel des Schweigens über ihr ausgebreitet. (weiterlesen …)

Karl: Ministerin der Worte

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Diese Woch wandte sich die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) mit zwei Presseaussendungen an die (interessierte?) Öffentlichkeit. Zum einen begrüßte sie, dass sich die Universitätskonferenz (früher Rektorenkonferenz, mangels Rektorin eine reine Männerveranstaltung) zu “Gender & Diversity” bekannte. Dies unmittelbar nachdem bekannt wurde, dass in Innsbruck die Internistin Margarethe Hochleitner nicht zur Rektorin gewählt wurde, weil sie eine Frau ist. Ein hervorragender Zeitpunkt also, für ein Lippenbekenntnis der Universitätskonferenz, und für eine Ministerin, die sich darüber freut. Die 100 % Männerquote die mittels nachgewiesener Diskriminierung erhalten wird, fällt da ja wohl nicht ins Gewicht, oder?

Die zweite Aussendung war eine Nebelgranate der Marke “Stipendien super, Forschungsförderung ole”, wie sie von Karls Vorgänger Johannes Hahn noch gut in Erinnerung sind. Darin bejubelt sie die 88 Stipendien (mit einem Fördervolumen von 6,4 Millionen Euro), die im Vorjahr von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) vergeben wurden, als Zukunftsinvestition. Außerdem betonte sie einmal mehr, wie wichtig eine Stärkung der Grundlagenforschung sei und lobte Hahn dafür, dass er das auch schon betont hatte. Freilich – ein ordentliches Stipendiensystem für die 300.000 Studierenden in Österreich, oder mehr Geld für die Grundlagenforschung wird es nicht geben. Aber immerhin schöne Worte der Ministerin. Und das ist doch besser als nichts, oder?

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