Meinung/Kommentar

Prächtig Brechtig #9: Ich will mehr!

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Der neunte Teil der prächtigen Kolumne erscheint dieses Mal online und kann nicht mehr warten bis zum Relaunch der neuen Zeitlinks. Neue Zeitlinks: das schreit nach mehr. Mehr Platz, mehr Spaß, mehr kluge Sprüche. “Mehr” ist ohnehin das Schlagwort dieser Zeit. Studierende wollen MEHR Geld für Bildung, die SPÖ will MEHR WählerInnen, die FPÖ will MEHR AusländerInnen abschieben, Josef Pröll möchte gerne MEHR Nulldefizit und Werner Faymann will noch MEHR Wohlfühllächeln an MEHR KroneleserInnen schicken. MEHR halt.

Im Endeffekt ist es vermutlich egal wer was wie MEHR macht. Vielleicht liegt es auch an den Zeiten der Krise, die uns im Taumel der Wohlstandsschrumpfung, nach MEHR verlangen lässt. Bestimmt ist das ein Mechanismus des Neoliberalismus, der uns MEHR verlangen lässt, damit wir MEHR Kraft haben um durch unseren MEHRwert das Wirtschaftswachstum ordentlich anzukurbeln. Oder wir spüren einfach, dass Weihnachten vor der Tür steht (man kann schon Weihnachtskekse kaufen!).

Apropo Weihnachten: wir sollten alle viel MEHR gemeinsam machen. Wir könnten uns doch auf ein Packerl hauen und gemeinsam MEHR fordern. Das funktioniert nur, wenn wirklich alle mitmachen, vor allem die Politik. SPÖ und Grüne lassen MEHR AusländerInnen rein, damit die FPÖ MEHR abschieben kann. Und die AusländerInnen die der Strache nicht erwischt dürfen sich dann in den ÖVP-nahen Betrieben zu Tode schufften. In den Betrieben werden selbstverständlich verstärkt Solaranlagen gebaut, dann können sich die Grünen MEHR Jobs der Zukunft auf die Fahnen hefften. Dann darf die Gewerkschaft über die billigen Arbeitskräfte schimpfen, die den unsrigen den Lebensinhalt klauen (=Arbeit). Und alle die nicht mitmachen wollen schicken wir nach Kärntnen, dann kriegt das BZÖ/FPK auch irgendwie MEHR (so als Entschädigung dafür, dass die FPK keine Klubförderung kassieren kann).
So einfach geht das. Frohe Weihnachten!

Hoch die internationale Solidarität

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Dieser Eintrag soll nicht zum Saufen anregen, sondern ein wenig dem Erfolg der Proteste beleuchten. Mittlerweile ist der Protest über nationalem Niveau, wie man an dieser google-Karte sehen kann. International ist noch nicht, dazu fehlen noch einige Kontinente. Aber es ist schon bezeichnend, wie etwas an fahrt gewinnen kann. Und die Chance sich zu blamieren ist groß, wenn man/frau den Fortgang abschätzen will. Selbst Konsequenzen sind in keinster Weise abzuschätzen. Kommt nach der digitalen Revolution das digitale Aufklärungszeitalter? Kaum zu sagen: nach der neoliberalen und reaktionären Hochkonjunktur spätestens seit den 1990er Jahren könnte man diesen Schluss ziehen, dass jetzt die progressive Seite wieder an (politischen) Raum gewinnt.

Entsprechende Wahlen sagen aber etwas anderes: Europawahlen, Nationalratswahlen, ÖH-Wahlen – überall verlieren SozialdemokratInnen bzw. SozialistInnen. Selbst bei der Bezeichnung ist man/frau sich nicht sicher. Wo doch die Forderungen und Werte sich den Forderungen der BesetzerInnen ziemlich gleichen. Gerechtes Zugangssystem und gegen eine Ökonomisierung der Bildung. Sprich, gegen den zunehmenden Einfluss des Kapitals. Entweder wissen sie nicht, dass sie „links“ sind, oder was wahrscheinlicher ist, die „Linke“ hat vergessen bzw. verlernt hat was links ist. Den dritten Weg, dass weder das eine noch das andere der Fall ist, haben wenige bedacht: Nämlich, dass mit einer Simulation der Mitte der konservativen Parteien beides eintraf: eine völlige Entkopplung der Werte von progressiven Kräften mit den zumeist gleichlaufenden Vorstellungen der Bevölkerung.

Reaktionäre Kräfte verwenden diese Strategie gerne: die ÖVP – österreichische Volkspartei simuliert die Mitte, genau wie die Aktionsgemeinschaft oder die Fachschaftslisten. Im Namen findet sich keinerlei Auskunft wofür sie stehen. Weil das von den WählerInnen eine kritische Reflexion verlangen würde, Was (BEIDE Seiten) sie wollen. Doch nur die Reaktion profitiert, die mit „Wir sind doch alle eine Gemeinschaft“ diese Mitte simuliert. Der Graben zwischen WählerInnen und Gewählten wird damit aufgerissen und die Links/Rechs-Dichotomie geschlossen. Worüber nicht nachgedacht wird, das fällt nicht ins gewicht. Marx hätte dies ein fehlendes Klassenbewusstsein genannt. Jene, die etwas ungerecht finden, und dies noch dazu  rational begründen können (welch Frevel), sind danach die SpalterInnen einer imaginären Mitte. Jene die zwischen Oben/Mächtigen und Unten/Ohnmächtigen spalten, sind die großen VersöhnerInnen.

Die Proteste sind ein Zeichen, dass sich dies wieder ändern kann. Ungerechtigkeit ist zeitlos. Gerade weil die Proteste sich über nationale Grenzen ausbreiten, sind sie relevant. Könnten so sozialistische Kerngedanken(oder Ideologien) wieder entstauben? Internationale Solidarität, mit modernen Gewand. Hat es ja alles schon gegeben. War einmal die Bedeutung der drei Pfeile, die auch „die drei Feinde der Demokratie: Kommunisten, Monarchisten und Nationalsozialisten“ bezeichneten, so Wikipedia. Ein sehr staubiges Symbol – heute bedeuten sie kaum jemanden etwas. Von der SPÖ wurde es einmal als Logo verwendet. Aber da hieß sie ja noch Sozialistische Partei Österreichs. Oder dass Faschismus, Klerikalismus und Kapitalismus (auch Reaktion) nicht klasse sind. Bevor ich aber weiter als Archäologe längst vergessener Tage wühle, kann man/frau nur hoffen, dass die Bewegung unter den Studierenden weitergeht und sich in den Köpfen der Menschen etwas tut. Das nicht voraussehbar ist. So wie die Proteste eben, nur noch länger andauernd und mit breiterer Basis. Leben hat einer Demokratie noch nie geschadet. Hoffen wir, dass dieses Leben zurückkommt und eine neue Aufklärung denkbar macht. Ideologisch, visionär und realitätsfern ist das zweifelsohne. Aber notwendig wäre so etwas in dieser Form schon.Vielleicht bewahrheitet sich ja der Spruch: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Aber denken darf man/frau diese Gedanken nicht.

Die Karte der Studierendenproteste

Es geht um unser aller Bildung!

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Dass ich so etwas noch in Österreich erleben darf! Ein Streik, eine Besetzung, ein Aufschrei gegen die schleichenden Verschlechterungen der Universitäten. Für freie Bildung! In Frankreich gab es diese Proteste bereits im Februar, in Deutschland im Juni – und seitdem biss ich auf Granit, als ich für eine ähnliche Aktion mobilisieren wollte, und mich umhörte inwieweit die Möglichkeit bestünde so etwas in Graz aufzuziehen.  Sogar Erhard Busek rät bereits am 14.Jänner, dass Universitäten streiken sollten. Studierende, Lehrer und Eltern, heißt es. Solidarisch und gemeinsam. Die Forderungen der Proteste im Audimax in Wien sind hier zu lesen, die Petition, die man/frau unterschreiben kann findet sich hier.

Der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) solidarisiert sich mit den StudentInnen, die im Laufe des heutigen Tages die Universität besetzt haben.
„Der Aufschrei der Studierenden verdeutlicht die katastrophale Situation an den Universitäten. Mehrere hundert Studierende demonstrieren für freie Bildung für alle und gegen die untragbaren Pläne des Wissenschaftsministers,“ unterstützt Sophie Wollner, Bundesvorsitzende des VSStÖ die Forderungen.
Bildungsbudget statt Bankenpaket! Es geht um unser aller Bildung! So ist der VSStÖ der Meinung, dass eine Protestaktion auch auf der Uni Graz zu den jetzigen Bedingungen und der jetzigen Stimmung möglich ist. Für ein gerechte Universität! Für ein starkes Zeichen der Studierenden an der Universität Graz! Für Protest!

Die erste UV-Sitzung

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Um 13:00 begann die erste Sitzung der ÖH auf der Uni Graz. Momentan sitze ich um 00:50 auf der ÖH in dem Sitzungszimmer im ersten Stock. Spaßig – momentan also 11:50 arbeiten für die ÖH. Auf jeden Fall werden dort wie in jeder politischen Sitzung Tagesordnungspunkte abgearbeitet. Momentan befinden wir uns auf Tagesordnungspunkt 6 von 14. Aber natürlich wurde bereits mehr als die Hälfte abgearbeitet. Zum Beispiel haben sich die ReferentInnen(die, die für einen Teilbereich die Verantwortung haben) vorgestellt, die sich vorher beworben haben. Die Wahl dieser Leute steht beim nächsten Tagesordnungspunkt an.

Natürlich hat es Anträge gegeben(wo die Arbeit der ÖH bestimmt wird), die knapp und genau nach den Linien Opposition(FLUG und KSV) und Exekutive(VSStÖ, GRAS und AG) abgestimmt wurden(also neun zu acht), allerdings gab es auch Abstimmungen, die einstimmig waren bzw. es andere Stimmgewichtungen gab.

Im Vergleich zu UV-Sitzungen, die es im letzten Jahr, in der letzten Legislaturperiode gab, waren 56 Leute anwesend. Demokratiepolitisch ist das auf jeden Fall ein riesiger Schritt nach vorne, dass es solch eine rege Beteiligung und höchstes Interesse über die ÖH entsteht. Das ist mir neu – und ich finde das gut. Wenn es so weiter geht, kann man als VSStÖ nach der ersten UV-Sitzung zufrieden Bilanz ziehen. An der politischen Kultur sollte noch gearbeitet werden, aber der VSStÖ versucht in dem Studierendenparlament deeskalierend zu arbeiten, da die Situation für alle Fraktionen schwierig ist. Für Spannung ist gesorgt – auch jetzt in der noch laufenden Sitzung, wo immer noch 28 Personen anwesend sind.

Einen frohen Start in eine auf jeden Fall aktivere ÖH

Wer zu arm zum Studieren ist, hat das auch verdient…

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Eines der bekanntesten, und wohl auch menschenverachtensten, Credos der libertären DenkerInnen ist, dass jeder absolut seines Glückes Schmied ist, der Fleißige wird belohnt und reich, der Faule bleibt arm, alle beginnen ja bei Null. Dass das nicht stimmen kann, sieht man zwar auf den ersten Blick auf die extrem ungleiche Welt, in die Menschen hineingeboren werden, aber es geht ja auch weniger um Wahrheit, als um ein verschleierndes Argument das der “Elite” erlaubt, unter sich zu bleiben.

Unser Wissenschaftsminister Johannes “Gio” Hahn und seine ÖVP nehmen nun, ein Jahr nach der weitgehenden Rücknahme der Studiengebühren, erneut einen Anlauf, doch bitte an den Unis unter sich bleiben zu dürfen. Die Studiengebühren müssen wieder eingeführt werden, verlangt er. Doch oh weh, die SPÖ legt sich quer, deren Wissenschaftssprecherin Andrea Kunzl, lehnt Hahns Forderung scharf ab.

Und doch – die ÖVP gibt nicht auf. Die Grazer Professorin für Arbeitsrecht, Nationalratsabgeordnete und ÖAAB-Generalsekretärin Beatrix Karl, argumentiert damit, dass die SPÖ doch sonst immer soviel auf die Berichte und Empfehlungen der OECD gebe. Und die empfiehlt ja Studiengebühren, also muss die SPÖ doch dafür sein.

Dabei handelt es sich aber um eine Nebelgranate sondergleichen. Ja, die OECD ist grundsätzlich für die Einführung von Studiengebühren. Allerdings immer eingebettet in ein gutes, funktionierendes Stipendiensystem, das soziale Selektion verhindert. Also etwas, das man in Österreich höchstens von der Theorie her kennt, reicht die Studienbeihilfe, ob mit oder ohne Studiengebühren, doch so schon für viele Studierende bei weitem nicht aus, so sie überhaupt zum kleinen Kreis der Anspruchsberechtigten gehören.

Aber bleiben wird doch bei der OECD, die die ÖVP ja so lieb gewonnen zu haben scheint. Liebe ÖVP, setzt euch doch auch für andere OECD-Forderungen ein, etwa der nach der Einführung der Gesamtschule. Nehmt doch die Kritik der OECD ernst, immerhin wird Österreich bei jeder OECD-Untersuchung aufs Neue scharf dafür kritisiert, eine peinlich niedrige AkademikerInnen-Quote zu haben, lächerlich niedrige Ausgaben für die Universitäten (Lehre wie Forschung) zu machen und eines der sozial undurchlässigsten Bildungssystem überhaupt zu haben.

Ausreichend Betätigungsfelder für den Wissenschaftsminister, ganz ohne noch mehr Studierende in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Denn es geht ja um die Empfehlungen der OECD, nicht um soziale Selektion, oder, liebe ÖVP?

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