“Gleichbehandlung existiert ja eh schon, für was machst du das überhaupt?“

„Warum gibt es ein Frauenreferat, wenn es kein Männerreferat gibt- das ist ja total sexistisch.“, „Gehörst du zu diesen dummen Radikalfeministinnen, die die deutsche Sprache verstümmeln wollen?“.

Ich bin seit Juli 2009 Frauenreferentin der ÖH Uni Graz. Seit Jänner nennen wir uns „Referat für feministische Politik“. Die oben genannten und ähnliche Sprüche kann ich mir beinahe tagtäglich anhören. Warum?- weil Frauenpolitik in den Köpfen vieler Menschen Schlagwörter wie Männerfeindlichkeit, Kampflesben oder Radikalismus auslöst. Das ist durch die Umbenennung des Referats auch nicht gerade besser geworden, dennoch war sie notwendig, um sich politisch klar zu positionieren.

Nur zur Klarstellung: ich bin weder männerfeindlich noch lesbisch (und selbst wenn ich es wäre, na und?). Und radikal?- ich würde eher innovativ dazu sagen.

Aber was machen wir im Referat dann so, wenn wir nicht gerade Pläne schmieden, wie die Frauen die Weltherrschaft an sich reißen können?

Also erstens mal Aufklärung- denn entgegen vieler Meinungen sind Frauen Männern gegenüber noch immer massivst benachteiligt, und zwar nicht nur im Iran, sondern auch in Österreich. Sie verdienen ein Drittel weniger als Männer, sind kaum in Führungspositionen vertreten, jede fünfte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt von Männern und so weiter.

Die Aufklärung geschieht anhand von Plakaten, Filmabenden, Diskussionen und anderen Veranstaltungen, die meist für jedes Geschlecht zugänglich sind. Ebenso gibt es seit Jänner 2010 jeden zweiten Sonntag im Monat die feministische Radiosendung „Gender Frequenz“. „Gender Frequenz“ ist eine Kooperation mit Radio Helsinki und dem Cafe Palaver.

Der zweite wesentliche Punkt ist Intervention und Prävention. Beispielsweise wird am 08. und 09. Mai ein Selbstverteidigungskurs für Studentinnen angeboten. Der Kurs zielt speziell darauf ab, dass sich Frauen in Notsituationen gezielt verteidigen können.

Als Drittes ist es wesentlich, Vernetzungsarbeit zu leisten. Zu diesem Zweck gibt es Treffen mit anderen frauenspezifischen Einrichtungen, wie beispielsweise der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien, Frauenforschung und Frauenförderung oder den anderen ÖH Frauenreferaten graz- und bundesweit. Außerdem findet am 27. April der erste Studentinnenstammtisch statt. Der Studentinnenstammtisch soll Studentinnen die Möglichkeit bieten, in einem gemütlichen Rahmen Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren.

Nicht zu kurz kommen darf natürlich die Beratung, weshalb es außer in der vorlesungsfreien Zeit auch zweimal wöchentlich Sprechstunden gibt.