Beiträge mit tag "Grundstipendium

Stipendium wie es sein sollte

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Was international üblich ist, scheint in Österreich weltfremd: Beihilfen von denen man leben kann.

Das Studienförderungsgesetz stammt aus dem Jahr 1992, und seither wurde von keiner Regierung mehr darüber nachgedacht. Das sieht man unter anderem daran, dass die die Studienbeihilfe heute weit weniger wert ist als 1992, da sie nur ab und an und nicht annähernd in vollem Umfang an die Inflation angepasst wurde. Die Folge ist, dass die Beihilfen vieler Studierenden von Jahr zu Jahr sinken, da die Einkommen an zumindest im Bereich der Geldentwertung steigen. Man kann sich also nicht mehr leisten, bekommt aber weniger Beihilfe.

Schaut man genau hin, findet man viele weitere Kritikpunkte. Das System trägt viel zu wenig zum Ausgleich sozialer Ungleichheit bei und ist offensichtlich keine wirksame Gegenmaßnahme zur starken sozialen Selektion beim Hochschulzugang. Die wird nämlich seit Jahren wieder stärker.

Der Reformbedarf ist also groß, und die Zeit drängt. Aber was soll man ändern? (mehr…)

Was ist Armut, und warum ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer Vermögensbesteuerung

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Armut ist nicht bloß das Fehlen von Geld und Einkommen. Armut geht meistens auch mit einem Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben einher. Es gibt grundsätzlich zwei Armutsdefinitionen: Die relative Armut ist die, die uns interessiert. Relative Armut bedeutet, dass man in Österreich nicht einen normalen Lebensstandard halten kann. Wer in Österreich arm ist, kann in einem Entwicklungsland als „reich“ gelten.

Amutsgefährdet ist, wer 60% des Medianeinkommen, also 893 Euro(auf Basis der Daten von 2005) erhält. Das Medianeinkommen ist dort anzusiedeln, wo 50% mehr als dieses Medianeinkommen verdienen und 50% weniger (vgl. Wikipedia für eine genaue Beschreibung). Eine Person muss also ein Einkommen von mindestens 893€ inklusive aller Sozialleistungen und Vermögenseinkünfte haben, um nicht als armutsgefährdet zu gelten. Für Mehr-Personenhaushalte erhöht sich der Anteil:

Nach der sogenannten EU-Skala erhöht sich das Bedarfsgewicht eines Einpersonenhaushaltes mit jedem zusätzlichen Erwachsenen um 0,5 und mit jedem Kind um 0,3 … Für jede weitere erwachsene Person im Haushalt erhöht sich dieser Wert um 447 EUR, für jedes Kind um 268 EUR pro Monat.(S.239)

Anstaltsbevökerung wird ausgeschlossen; also Menschen in Ayslheimen, Kinderheimen, und Obdachlose. Auch manche Menschen mit Sprachbarrieren(da sie nicht den Fragebogen ausfüllen können) oder erhöhten Ausgaben, wie Spielsüchtige oder Schuldner_innen werden weniger repräsentiert. Alles in Allem wurde eine Quote von 11,6 bis 13,5 erhoben.

Reicht diese Armutsdefinition? (mehr…)

Proteste 2009 und Proteste 1968 – eine Angleichung

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Die wilden Sixties sind schon lange vorbei. Die Bildungsproteste sind noch nicht einmal zwei Jahre alt und scheinen wieder längst vergangen und vergessen. Aber wer kann sagen, welche Wirkung sie hatten und noch haben werden. Ein Vergleich mit den 1968ern bietet sich an. In Graz hat sich der VSStÖ in der Zeit bis 1968 sehr stark engagiert. Ab 1962 wurde ein „linker“ Vorstand im Vaust gewählt. Er war damit vier Jahre früher dran als der VSStÖ in Wien – zu dieser Zeit begannen sich aber bereits Studierende auf die Frankfurter Schule zu berufen. Das zeugt von einer besonderen Involvierung des VSStÖ in diesen wichtigen Prozess. Der VSStÖ forderte auch schon damals das Grundstipendium, das allerdings einen anderen Namen hatte(die Idee war und ist gut).

Die Proteste in den 1968ern entbrannten deswegen, weil es einen historischen Umbruch gab. Der Zugang zu den Universitäten wurde verbreitert und es wurden immer mehr Studierende aufgenommen. Auch dies war ein Teil der Bildungsexpansion der 1960er, wo einerseits die Jugend mehr Bildung erhielt und auch Anzahl der Jugendliche die eine Breite Bildung und Ausbildung erhielten wurden auch erweitert.

In der Universität erschuf dieser Zustrom an Studierenden strukturelle Probleme. Die Uni war nur für die Crème de la Crème, eine kleine Elite gedacht, die das nötige Kapital und den sozialen Status hatten, um studieren zu können. Das schuf die gleichen Probleme wie heute. Schlechte Betreuungsverhältnisse, Verringerung der Studienqualität etc. Die studierenden protestierten anfangs, dass nur instrumentelles Wissen gelehrt wurde und die politische Funktion der Universität vergessen wurde. Weil die Universität ein essentieller Teil der Gesellschaft und der Demokratie sei, müsse sie auch politisch sein. Sie dürfe nicht als bloßes Instrument für die Industrie genutzt werden. Außerdem forderten die Studierenden eine ausreichende Finanzierung ihrer Studien. Genau das wird auch heute beklagt und gefordert – allerdings mit viel mehr Studierenden. Später haben sich die Studierenden auch gegen international geführte Kriege und den Kapitalismus an sich gewandt.

Daraus folgt, dass sich die Protest-Bewegung 2009 noch sich noch einmal repolitisieren und radikalisieren. Immerhin hatte es zwischen 1962 und 1968 sechs Jahre gedauert, bis es zum Kulminationspunkt kam  – also der Protest von 2009 hat noch vier Jahre Zeit ihr wahres Potential zu zeigen. Das können wir aus den Protesten von den 1968ern lernen. Auch die derzeitigen Proteste in Ägypten konnten von niemanden abgesehen werden – für die Folgen gilt das noch viel weniger. Man muss also die nächsten Jahre abwarten, was in Österreich noch alles geschehen kann. Wenn die Politik weiter so wissenschafts- und studienfeindlich agiert, wer weiß, was dann noch auf uns zukommt.

Manuel Weichinger für den VSStÖ

“Wir brauchen mehr Studierende, nicht weniger.”

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Wer bei der heutigen Demo der KF Uni Graz nicht dabei sein konnte: hier gibt’s die Rede unserer stellvetretenden Vorsitzenden Natalie Ziermann zum Nachlesen!

Vor ca einem Jahr haben wir uns getroffen um die Besetzungen in Graz zu planen. Wir – das war ein kleiner Haufen der die Audimaxbesetzung in Wien unterstützen wollte. Jetzt ist ein Jahr vorbei und noch immer stehen so viele Leute hier, die sich nicht gefallen lassen wollen was die Politik mit ihnen macht. Ich finde das hat einen großen Applaus verdient.

Wir treten heute für den freien Hochschulzugang und eine bessere Unifinanzierung ein. Wir sind gegen Zugangsbeschränkungen, weil sie ungerecht und willkürlich sind und gegen das Recht auf freie Bildung verstoßen. Wir treten gegen Zugangsbeschränkungen ein weil Österreich eine Akademiker_innenquote von 18% hat. Der OECD Durchschnitt liegt bei 27%.
Wir brauchen mehr Studierende, nicht weniger.

Wir sind gegen Studiengebühren, weil die wenigsten Studierenden reiche Eltern haben. Schon jetzt arbeiten in etwa 60% der Studierenden während des Semesters. Die meisten, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können.
Wir brauchen ein besseres Stipendiensystem, keine neuen Gebühren für Studierende.

Zu guter Letzt sind wir für eine bessere Hochschulfinanzierung. Man hat uns 2% des BIPs versprochen, derzeit sind wir bei 1,3%.
In Österreich muss Bildung endlich wieder mehr wert sein, deshalb fordern wir jetzt die Unimilliarde.

Die Unis den Reichen?

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Dies scheint, leider schon sehr lange, das Motto der österreichischen Bildungspolitik zu sein. Denn jede Studierenden-Sozialerhebung zeigt es aufs Neue: Der studentische Alltag ist viel zu oft von Arbeit, finanziellen Sorgen und psychischen Problemen geprägt. Und hier sind jene, die es sich nicht leisten können zu studieren, und jene, die vom österreichischen Bildungssystem “aussortiert” wurden, nicht mehr dabei.

Im Jahr 2009 arbeiten 62 Prozent, der Anteil der Studierenden, die während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen, beträgt 45 Prozent. Es überrascht daher nicht, dass auch die Anzahl der Stunden, die ein angehender Akademiker seinem Beruf widmet, zugenommen hat. Wöchentlich arbeitet ein_e Studierende_r 19,7 Stunden. All diese Zahlen steigen stetig an. Darunter leidet zweifelsohne das Studium. Dabei sind es vor allem Studenten aus schwächeren sozialen Schichten, die im Vergleich zu ihren Kollegen mehr arbeiten müssen. Dieser Umstand bleibt während der gesamten Studienlaufbahn bestehen. Auch die Dropout-Quote ist unter Studierenden aus sozial schwächeren Schichten ist höher, genauso wie ihr Anteil an den Studierenden insgesamt unverhältnismäßig niedrig ist, und noch dazu weiter abnimmt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt Österreich immer wieder, dass vor allem sozioökonomische Status der Eltern darüber entscheidet, ob ein_e Schüler_in ein Hochschulstudium aufnimmt oder nicht.

Der VSStÖ setzt sich daher für eine umfassende Reform des Bildungssystems, weg von der frühen Selektion, hin zur Ganztags- und Gesamtschule, ein. Es ist erwiesen dass diese Schulform den sozialen Ausgleich fördert, während Österreichs aktuelles System die bestehenden Verhältnisse festigt. Der VSStÖ hat ein Konzept für ein Grundstipendium erarbeitet, dass das löchrige und in vieler Hinsicht katastrophale Stipendiensystem Österreichs ersetzten soll.

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