Beiträge getaggt mit Grundstipendium
Die Unis den Reichen?
06. Jun
Dies scheint, leider schon sehr lange, das Motto der österreichischen Bildungspolitik zu sein. Denn jede Studierenden-Sozialerhebung zeigt es aufs Neue: Der studentische Alltag ist viel zu oft von Arbeit, finanziellen Sorgen und psychischen Problemen geprägt. Und hier sind jene, die es sich nicht leisten können zu studieren, und jene, die vom österreichischen Bildungssystem “aussortiert” wurden, nicht mehr dabei.
Im Jahr 2009 arbeiten 62 Prozent, der Anteil der Studierenden, die während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen, beträgt 45 Prozent. Es überrascht daher nicht, dass auch die Anzahl der Stunden, die ein angehender Akademiker seinem Beruf widmet, zugenommen hat. Wöchentlich arbeitet ein_e Studierende_r 19,7 Stunden. All diese Zahlen steigen stetig an. Darunter leidet zweifelsohne das Studium. Dabei sind es vor allem Studenten aus schwächeren sozialen Schichten, die im Vergleich zu ihren Kollegen mehr arbeiten müssen. Dieser Umstand bleibt während der gesamten Studienlaufbahn bestehen. Auch die Dropout-Quote ist unter Studierenden aus sozial schwächeren Schichten ist höher, genauso wie ihr Anteil an den Studierenden insgesamt unverhältnismäßig niedrig ist, und noch dazu weiter abnimmt.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt Österreich immer wieder, dass vor allem sozioökonomische Status der Eltern darüber entscheidet, ob ein_e Schüler_in ein Hochschulstudium aufnimmt oder nicht.
Der VSStÖ setzt sich daher für eine umfassende Reform des Bildungssystems, weg von der frühen Selektion, hin zur Ganztags- und Gesamtschule, ein. Es ist erwiesen dass diese Schulform den sozialen Ausgleich fördert, während Österreichs aktuelles System die bestehenden Verhältnisse festigt. Der VSStÖ hat ein Konzept für ein Grundstipendium erarbeitet, dass das löchrige und in vieler Hinsicht katastrophale Stipendiensystem Österreichs ersetzten soll.
Aktuelle Studierenden Sozialerhebung
25. Apr
Die Ergebnisse der Anfang Februar erschienenen Rohfassung sind schockierend.
Der VSStÖ sieht in den ersten Ergebnissen seine langjährige Forderung nach einer besseren sozialen Absicherung von Studierenden bestätigt.
Arbeiten – das ist in den vergangenen Jahren zu einem fixen Bestandteil des studentischen Alltags geworden. Die Anzahl an Studierenden, die berufstätig sind, ist seit 2006, als die letzte Sozialerhebung durchgeführt wurde, von 58 Prozent auf über 61 Prozent gestiegen. 45 Prozent aller Studierenden müssen während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen. Haben die Studierenden im Jahr 2006 wöchentlich noch 19,1 Stunden gearbeitet, waren es 2009 bereits fast 20 Stunden.
Dreiviertel aller Studierenden begründen ihre Berufstätigkeit damit, dass sie sich ihren Lebensunterhalt sonst überhaupt nicht leisten könnten.
Die Hälfte der Studierenden berichtet von Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit zwischen Studium und Beruf – dies führt, wie ebenfalls in der Sozialerhebung nachgewiesen, zu vermehrtem psychischem Stress. 37 Prozent sagen, sie würden den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit gerne reduzieren, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.
Trotz Erwerbstätigkeit gibt mehr als ein Viertel der Studierenden an, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln schlecht oder sehr schlecht auszukommen, wobei dies auch vom Bildungsgrad der Eltern abhängig ist: 30 Prozent der Studierenden aus so genannten bildungsfernen Haushalten geben an, nicht mit ihrem Geld auszukommen, bei Studierenden, die aus einem Akademiker_innenhaushalt kommen, sind es 19 Prozent. Bei der Altersgruppe zwischen 26 und 30 Jahren ist dieser Wert jedoch am höchsten, da in diesem Alter der Bezug der Familienbeihilfe endet und die Eltern weniger finanzielle Unterstützung beisteuern. Mehr >
Mindestens 10.000 Euro Studiengebühren
13. Apr
Davon träumt der Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, Peter Skalicky. Außerdem hätte er gerne “kapazitätsabhängige Platzbeschränkungen” (also Zugangsbeschränkungen) für überlaufene Studienrichtungen. Schon im Zuge der Studierendenproteste hatte sich Skalicky ja in öffentlichen Diskussionen als Vorkämpfer gegen sozial Schwache an Universitäten hervorgetan, diese Linie bekräftigt er nun.
Zwar spricht sich er sich für ein “umfassendes Stipendiensystem” aus, doch Gebühren können nie sozial treffsicher sein, und selbst Menschen die Chancen auf eines dieser “Superstipendien” hätten würden wohl schon vom Risiko es zu verlieren, und damit in die Schuldenfalle zu tappen (und vielleicht auch die Familie zu gefährden) abgeschreckt. Studiengebühren sind eine soziale Barriere, die ökonomisches Kaptial zum entscheidenden Kriterium für höhere Bildung machen.
Vor allem zeigten auch die Erhebungen zur “Sozialen Lage der Studierenden,” dass die Lage der Studierenden ohnehin bereits mehr als angespannt ist, und sich weiter verschlechtert. Bedarf an einer umfassenden Reform des Stipendiensystems besteht auch jetzt schon. Der VSStÖ fordert deshalb die Einführung des Grundstipendiums.
Die Anforderungen einer gerechte Gesllschaft können nur von unabhängigen, offenen und demokratischen Bildungseinrichtungen erfüllt werden. Daher sind Studiengebühren auch deshalb abzulehnen, da sie dem Prinzip des offenen Hochschulzuganges entgegen stehen.
VSStÖ in der ÖH – Das Sozialreferat
20. Nov
Seit den letzten ÖH-Wahlen ist der VSStÖ Teil der sogenannten Exekutive der ÖH Uni Graz. Die Exekutive ähnelt gewisser Weise einer Regierung, der/der RegierungschefIn heißt VorsitzendeR und die Ministerien heißen Referate. Der Vergleich passt nicht ganz, aber annähernd. Der VSStÖ stellt nun unter anderem mit Christiane Mörth die 1. stellvertretende Vorsitzende, die Pressereferentin Nina Heidorn, die Frauenreferentin Natalie Ziermann und den Kulturreferenten Christopher Pieberl. Bei ihrer Arbeit werden die ReferentInnen von SachbearbeiterInnen (SBs) unterstützt. Auch hier stellt der VSStÖ in den verschiedenen Referaten einige. Ich bin, neben Sigi Fritz, einer der beiden VSStÖ-SBs im Sozialreferat der ÖH Uni Graz.
Das Sozialreferat soll, kurz gesagt, die finanzielle Lage der Studierenden durch Beratung und Unterstützung verbessern. Zu diesem Zweck werden an jedem Wochentag Sprechstunden abgehalten, bei denen man unangemeldet vorbeischauen und sich beraten lassen kann. MitarbeiterInnen des Sozialreferats besuchen (Erstsemestrigen-)Tutorien und ähnliche Veranstaltungen um grundlegende Infos zu geben, und Fragen zu beantworten. Zusätzlich gibt es zu vielen Themen Broschüren die man kostenlos im Sozialreferat bekommen kann.
Der Kompetenz- und Zuständigkeitsbereich des Referats erstreckt sich von den “Standardbeihilfen” wie Studienbeihilfe und Familienbeihilfe, über speziellere Beihilfen wie das Studienabschlussstipendium oder das SelbsterhalterInnenstipendium bis hin zu Studierenden mit Kind(ern), Fragen zur Sozialversicherung, der ÖH-Unfall- und Haftpflichtversicherung und des MieterInnenschutzes. Neben Informationen kann das Sozialreferat kleine finanzielle Unterstützungen vergeben. Das ist einerseits die Mensaförderung die vom Land Steiermark finanziert wird, und andererseits der von der ÖH selbst finanzierte Sozialtopf (Einmalzahlungen in besonderen finanziellen Notlagen). Letzterer ist mein Fachgebiet.
Als sogenannter Sozialtopfbetreuer bin ich für die Bearbeitung der Ansuchen an den Sozialtopf zuständig. Da die finanzielle Lage vieler Studierender eine schwierige ist, und das staatliche Angebot an Unterstützungen eher knapp bemessen ist, bekommen wir sehr viele Anträge. Für mich bedeutet das, dass ich fast täglich doch einige Zeit auf der ÖH verbringen muss, um diese durchzusehen und zu bearbeiten. Das ist für mich aber auch viel zu oft ein harter Reality-Check, wenn ich sehe, wie Menschen kämpfen müssen, um studieren zu können, und an was für dummen (finanziellen) Hürden die Erfüllung dieses Wunsches oft zu scheitern droht. Daneben halte ich noch wie meine Kolleginnen einmal pro Woche meine Sprechstunde mit Beratung zu verschiedensten Fragen und Problemen.
Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich jemand helfen kann. Aber leider muss man im Sozialstaat Österreich noch viel zu oft Menschen erklären, dass sie durch alle Netze fallen, und keinerlei Unterstützung bekommen können. Durch meine Arbeit im Sozialreferat bin ich mehr denn je von der Idee eines Grundstipendiums überzeugt. Wenn den ÖkonomisiererInnen der Bildung in der Industriellenvereinigung, dem Wissenschaftsministerium, etc. schon die persönlichen Schicksale und, man muss es wohl so nennen, Tragödien, egal sind, könnte man sie vielleicht mit dem Hinweis darauf, wie viele Talente völlig unnötig verloren gehen, zum Nachdenken bringen. Das Problem wird wohl eher sein, das von der ÖVP auch über soziale Selektion betriebene Einbetonieren der Eliten (genau genommen jener die sich dafür halten) zu beenden.
Stipendium ist kein Verschwendium – Her mit dem Grundstipendium!
27. Apr
Am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig? Eltern haben die Pflicht ihren Kindern eine Ausbildung, wie ein Studium, zu finanzieren. Doch was tun wenn die Eltern nicht zahlen wollen oder können, die Studienbeihilfe nicht ausreicht und einen die Nebenjobs auffressen?
Das österreichische System zur Studierendenförderung ist veraltet und schafft es nicht, allen Menschen gleiche Chancen zur Bewältigung eines Studiums zu gewährleisten.
Abhilfe schafft hier das vom VSStÖ vorgeschlagene Grundstipendium. Demnach würde jedeR Studierende an einer österreichischen Hochschule 770 Euro monatlich bekommen, unabhängig von Alter, StattsbürgerInnenschaft oder Einkommen der Eltern. Anspruchsberechtigt ist man, solange man sich innerhalb der Durchschnittsstudienzeit befindet und pro Studienjahr einen Nachweis für 8 Semesterwochenstunden bzw. 16 ECTS-Punkte erbringt. Während der ersten 4 Semester sind beliebig viele Studienwechsel möglich, ohne den Anspruch auf das Grundstipendium zu verlieren.
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