Beiträge mit tag "Politik

Polemik und Wahrheit

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ÖH-Wahlen sind die Zeiten, wo man als Studierender rasch den Eindruck gewinnt, dass es völlig gleichgültig ist, welcher antretenden Fraktion (UV) oder Person (StV) man dabei seine Stimme gibt (sofern man überhaupt zur Wahl geht), da ohnehin jede – laut Eigendefinition – die bestmögliche Wahl darstellt. Kurz vor der Wahl brüsten sich alle Vertreter_innen mit Erfolgen und Leistungen, um dadurch herauszustreichen, dass nur sie selbst in der Lage sind, die ÖH kompetent und den Bedürfnissen der Studierenden entsprechend zu gestalten. Die anderen antretenden Fraktionen werden leider allzu oft verunglimpft, deren Tätigkeiten kleingeredet oder diesen schlichtwegunterstellt, überhaupt keine sinnvolle und herzeigbare Arbeit vollbracht zu haben oder in Zukunft vollbringen zu können. Dabei macht es keinen Unterschied, welcher Weltanschauung sich die jeweilige Gruppe verpflichtet fühlt, der politische Stil ist meist derselbe – Selbsterhöhung, Fremdabwertung, Polemik.

Studierendenvertreter_innen gleich welcher Farbe, Nicht-Farbe oder Ebene (StV/FV/UV/BV) sollten sich folgendes vergegenwärtigen: Wer laut schreien muss, was er/sie so alles geleistet hat, und mit Andersdenkenden einen Umgang pflegt, der hauptsächlich aus Unterstellungen, Angriffen und – inhaltlichen wie persönlichen – Abwertungen besteht, darf sich nicht wundern, dass ÖH-ferne Studierende sich oft mehr an einen Kindergarten als an seriöse Interessensvertretung für die eigenen Anliegen erinnert fühlen. Dadurch geht genau das unter, woran der ÖH gelegen sein sollte: nämlich die Wertschätzung für die keinesfalls selbstverständliche tagtägliche laufende Hilfestellung, die so viele unterschiedliche Personen für ihre Kolleg_innen leisten.

Tatsache ist, dass in und rund um die ÖH zahlreiche Menschen engagiert sind, die versuchen, die Bedingungen, unter denen sie selbst, und andere in Zukunft, studieren müssen, zu verbessern. Dabei hängt es immer vom jeweiligen persönlichen Schwerpunkt ab, den man sich für sein Engagement setzt, sei es etwa eine Vorliebe für das Organisieren von Feiern und Stammtischen, der direkten Beratung, dem Beistand bei einem Problem mit einem/einer Professor_in oder dem Feilen an einem neuen Studienplan. Bedarf gibt es an allen Ecken und Enden, und jede_r Studierende hat Erfahrungen, Neigungen und Fähigkeiten, die geeignet sind, sie in nützlicher Art und Weise Mitstudierenden zur Verfügung zu stellen.

Natürlich ist dann, wenn es darum geht, in universitären Kollegialorganen, wo Studierende mitentscheiden dürfen (Curricula-Kommissionen, Senat etc.), die Lösung für ein jeweiliges Problem je nach individueller Vorstellung und Präferenz unterschiedlich. Eine für alle Studierenden ideale Entscheidung gibt es nicht, da jede ganz spezifische Konsequenzen nach sich zieht. Beispielsweise wenn es darum geht, einer stärker selektierenden Prüfung zuzustimmen, die zwar durch die dadurch zu erwartende Reduktion der Studierendenzahlen das Betreuungsverhältnis und die Bedingungen für die, die diese Hürde nehmen oder schon im System sind, verbessert wird (Stichwort: Qualität des Studiums), aber gleichzeitig bestimmte Studierende, die an der Prüfung scheitern oder von dieser von vornherein abgeschreckt werden, systematisch benachteiligt und aus dem Studium gedrängt werden (Stichwort: Voraussetzungsketten).

Bei den ÖH-Wahlen kommt es also weniger darauf an, darüber zu entscheiden, wer den „besten“ Service anbietet (Beratung, Studienleitfäden…), der für die meisten ohnehin selbstverständlich ist, sondern darum, zu entscheiden, welche Lösungen für diverse Probleme im Studium man präferiert. So ist es dann auch meist persönliche Betroffenheit oder Solidarität mit einer bestimmten Gruppe, manchmal vielleicht auch eine Werthaltung, die den Ausschlag gibt. Spricht man sich eher für Maßnahmen aus, die eine hohe Leistungsbereitschaft fördern (und damit die „Studienqualität“ für bestimmte privilegierte Personen erhöht), wie etwa strengere Eingangsphasen, Bachelor-Prüfungen oder kommissionelle Fachprüfungen? Oder für Maßnahmen, die es sozial schlechter gestellten Studierenden erleichtert, ein Studium aufzunehmen, etwa durch entschärfte Prüfungen, spezifischen Lehrformen und finanziellen Unterstützungen? Oder mal so, mal so?

Jene Dinge sind es dann auch, die die alltägliche Vertretungs- und Projektarbeit massiv beeinflussen, sei es, wenn es um neue Studienpläne geht, wo die Studienvertretung mitbestimmt, um Entscheidungen im Senat oder um Projekte der Universitätsvertretung, die die gesamte Uni betreffen. All diese Dinge haben direkten Einfluss auf den Studienalltag, weswegen es eben nicht egal ist, ob und wen man wählt.

Darum unser Rat: informiert euch, wo die jeweilige Person und/oder Fraktion ihre Schwerpunkte setzt, für die Interessen welcher Studierendengruppen sie sich hauptsächlich einsetzt und welche Geisteshaltung ihr entspricht. Dazu mag es auch notwendig sein, für sich selbst zu überlegen: Was ist mir persönlich wichtig? Wo sind die dringendsten Probleme, die auf eine mir entsprechende Art gelöst werden sollen? Welche Werthaltungen sind es wert, gefördert zu werden? Politische Bewußtseinsbildung beginnt nämlich nicht erst in der Wahlzelle, sondern ist in der Regel ein ständiger Prozess. Schon allein diese Erkenntnis ist es wert, sich mit den ÖH-Wahlen auseinanderzusetzen, ganz egal, für wen man sich letztendlich entscheidet.

„Kompromisslos für die Anliegen der Studierenden“ – Interview mit Natalie Ziermann

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Natalie Ziermann (21) studiert Psychologie an der Uni Graz. Sie ist Referentin für feministische Politik der ÖH Uni Graz sowie stellvertretende Vorsitzende und Frauensprecherin des VSStÖ Graz und unsere Spitzenkandidatin.

Warum studierst du Psychologie?
Ich wollte immer schon Psychologie studieren, weil mich zwischenmenschliche Beziehungen interessieren.

Was sind deine Stärken und Schwächen?
Ich bin kontaktfreudig, engagiert und motivert, das würde ich als Stärken bezeichnen. Eine meiner Schwächen ist sicher, dass ich unpünktlich bin. Und ich bin manchmal etwas chaotisch.

Was würdest du an der Uni Graz ändern?
Kurzfristig würde mehr Frauenförderungsprogramme einführen, darauf drängen dass das Lehrveranstaltungsangebot für Studierende die einer Arbeit nachgehen müssen, deutlich verbessert wird und mich für eine Vereinheitlichung und Vereinfachung des Anrechungssystems einsetzten. Außerdem ist eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Bibliotheken sehr wichtig.

Warum bist du beim VSStÖ aktiv?
Weil sich der VSStÖ kompromisslos für die Anliegen der Studieren einsetzt und Politik und Service für uns kein Widerspruch sind.

Was hat der VSStÖ an der ÖH Uni Graz geleistet? (mehr …)

GET ACTIVE!

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Du bist politisch interessiert? Dir gefällt unsere aktuelle Kampagne? Hast du Probleme auf der Uni? Möchtest du bei unserer Zeitung mitschreiben? Oder einfach nur ganz zwanglos mitarbeiten? Dann kannst du gerne einmal bei uns im VSStÖ-Büro in der Morellenfeldgasse 41/P, 8010 Graz vorbeischauen (Bürozeiten: Mo – FR: 11.00 – 13.00 sowie Mo: 18.00 – 20.00). Oder du meldest dich ganz einfach unter contact@vsstoegraz.at!

Warum aktiv werden?

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„Progressive Politik fängt mit Sprache an“ – Robert Misik und seine „Anleitung zur Weltverbesserung“

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Robert Misiks Antwort auf die Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise ist soeben frisch erschienen. „Anleitung zur Weltverbesserung – das machen wir doch mit links“ heißt sie. In populärwissenschaftlicher Manier, die zwischen Ökonomie und Politik anzusiedeln ist, analysiert er die letzten vierzig Jahre. Das kompakt und pointiert geschrieben Buch soll einen Ausweg aus der Misere der Linken vorzeichnen und einen gangbaren Weg zur Überwindung der Krise anbieten. Dabei argumentiert Misik zuerst ökonomisch. Eine seiner zentralen Thesen lautet: Erfolgreiche Sozialpolitik ist auch erfolgreiche Wirtschaftspolitik:

„In den Jahren [nach 1973: MaW] kehrte sich die Tendenz wieder um: Die Einkommensspreizung ging wieder auf, die Gewerkschaften wurden geschwächt, die Schwachen wurden unter Lohndruck gesetzt usw. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig. In der Phase des ‚regulierten’ Kapitalismus mit wohlfahrtsstaatlichen Konsens betrug das Wachstum der Weltwirtschaft 4,8 Prozent jährlich, in den Jahren seither durchschnittlich 3,2 Prozent.“(76)

Damit schaffe nicht mehr Kapitalismus automatisch mehr Wachstum, sondern viel weniger. Staatliche Regulierungen und ein starker Staat dienen dem Gemeinwesen und sind in den seltensten Fällen ineffektiv. Anders, wie es von Neoliberalen ständig prolongiert wird. (mehr …)

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