Beiträge mit tag "Stipendien

Beatrix Karl und das Hirngespinst

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Von der steirischen Landesregierung gab es im Jahr 2010 eine Initiative mit dem Namen „Projekt 500“, wo gute Idee von jungen Menschen mit 500 € gefördert wurden. Dieses Projekt nahm sich Trixi Karl zu Herzen und möchte sich ihre „gute Idee“ mit 500 € fördern lassen – von jeder/jedem Studierenden einmal pro Semester.

Mit ihrer Forderung der flächendeckenden Wiedereinführung von Studiengebühren, sowie der Anhebung um 37,6% (!) kehrt BM Karl zu einer alten Forderung der Volkspartei zurück. Die Elitenbildung an den Österreichischen Unis soll wieder stark forciert werden. Natürlich geschieht dies unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit, da ein Teil des Geldes für Stipendien zu Verfügung gestellt werden und ein Wink mit dem Zaunpfahl an einige SPÖ Politiker_innen sein soll.

Sozial schwächere Studierende sollen ja die Möglichkeit eines Studienkredits haben, um ihr Leben finanzieren zu können, natürlich „steuerbegünstigt“. Es macht sozial schwächeren Studis ja auch bestimmt Spaß sich Anfang 20 für Banken zu prostituieren und sich dadurch für einen gewissen Teil des Lebens sehr einzuschränken.

Zumindest erteilt SPÖ Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas dem Hirngespinst von BM Karl eine deutliche Abfuhr: „Studiengebühren widersprechen dem SPÖ-Prinzip des freien Universitätszugangs sind und daher „keine Option“. Dies kann als Schritt in die Richtige Richtung der SPÖ gesehen werden und macht wohl hoffentlich auch Beatrix Karl klar, dass vom Koalitionspartner keine Annäherung zu erwarten ist.

Heast, ärger di ned!

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Zum Auftakt der neuen bundesweiten Kampagne „Für eine echte soziale Absicherung“ des VSStÖ, wird es am 17. November an der KF Uni (von 10 bis 16 Uhr, bei Schönwetter auf der Wiese vor der UB, bei Schlechtwetter im überdachten Resowibereich) und am 18. November an der TU (von 10 bis 16 Uhr, Infeldgasse)  das Spiel „Studi ärger dich nicht“ geben. Bei diesem Spiel sind die teilnehmenden Personen selbst Spielfiguren und müssen soziale Hürden (Wegfall der Familienbeihilfe, aufhaltende Knock-Out Prüfungen etc.) meistern.
Alle sind herzlich dazu eingeladen teilzunehmen  und einen kleinen Preis zu gewinnen. Außerdem wird es noch Infos rund um Familienbeihilfenkürzung & andere relevante Themen geben.

Hintergrund dieser Aktion ist sowohl die aktuelle Studierendensozialerhebung, die wieder einmal zeigt, dass Kinder, deren Eltern Akademiker_innen sind, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Universitäten besuchen, als Kinder aus ärmeren sozialen Schichten, als auch die Kürzung der Familienbeihilfe von 26 (27) auf 24 (25) Jahre. Außerdem fördern Zugangsbeschränkungen jeglicher Art, seien es Knock-Out Studieneingangsphasen, Aufnahmetests oder Studiengebühren die soziale Selektion. Anstatt Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen entsprechend zu fördern und ihnen zu ermöglichen aus ihrem sozialen Umfeld ausbrechen zu können, werden sie daran gehindert.

Der VSStÖ fordert daher

  • einen offenen Hochschulzugang. Bildung sollte für alle zu gleichen Bedingungen möglich sein.
  • ein Bildungssystem, das soziale Ungerechtigkeiten ausgleicht statt einzementiert.
  • eine Reform des Beihilfensystems, damit Studierende sozial abgesichert sind. Dazu gehört eine Anhebung der Höchststudienbeihilfe, Erweiterung des Bezieher_innenkreises, neue Bezugsdauer statt Mindeststudienzeit, Anhebung des Zuschlags für Studierende mit Kind, Harmonisierung der Zuverdienstgrenze, Ausbau der Förderstipendien, Direktauszahlung der Familienbeihilfe, vollständige Abschaffung der Studiengebühren und langfristig ein neues Beihilfensystem (Grundstipendium).

Die Unis den Reichen?

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Dies scheint, leider schon sehr lange, das Motto der österreichischen Bildungspolitik zu sein. Denn jede Studierenden-Sozialerhebung zeigt es aufs Neue: Der studentische Alltag ist viel zu oft von Arbeit, finanziellen Sorgen und psychischen Problemen geprägt. Und hier sind jene, die es sich nicht leisten können zu studieren, und jene, die vom österreichischen Bildungssystem “aussortiert” wurden, nicht mehr dabei.

Im Jahr 2009 arbeiten 62 Prozent, der Anteil der Studierenden, die während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen, beträgt 45 Prozent. Es überrascht daher nicht, dass auch die Anzahl der Stunden, die ein angehender Akademiker seinem Beruf widmet, zugenommen hat. Wöchentlich arbeitet ein_e Studierende_r 19,7 Stunden. All diese Zahlen steigen stetig an. Darunter leidet zweifelsohne das Studium. Dabei sind es vor allem Studenten aus schwächeren sozialen Schichten, die im Vergleich zu ihren Kollegen mehr arbeiten müssen. Dieser Umstand bleibt während der gesamten Studienlaufbahn bestehen. Auch die Dropout-Quote ist unter Studierenden aus sozial schwächeren Schichten ist höher, genauso wie ihr Anteil an den Studierenden insgesamt unverhältnismäßig niedrig ist, und noch dazu weiter abnimmt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt Österreich immer wieder, dass vor allem sozioökonomische Status der Eltern darüber entscheidet, ob ein_e Schüler_in ein Hochschulstudium aufnimmt oder nicht.

Der VSStÖ setzt sich daher für eine umfassende Reform des Bildungssystems, weg von der frühen Selektion, hin zur Ganztags- und Gesamtschule, ein. Es ist erwiesen dass diese Schulform den sozialen Ausgleich fördert, während Österreichs aktuelles System die bestehenden Verhältnisse festigt. Der VSStÖ hat ein Konzept für ein Grundstipendium erarbeitet, dass das löchrige und in vieler Hinsicht katastrophale Stipendiensystem Österreichs ersetzten soll.

"Und für Ausländer noch einmal doppelt so hoch."

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Hans Sünkel, Rektor der TU Graz und seit 2010 Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz, spricht sich in einem Interview, welches in der morgigen Printausgabe der Presse erscheint und bereits vorab im Internet zu lesen ist, nicht nur für 4-5 Mal höhere Studiengebühren (!) aus, sondern auch dafür, dass sie für „Ausländer noch einmal doppelt so hoch“ sein sollen.

Damit beweist er wieder einmal, was das Ziel der Rektoren (oder nur seines?) zu sein scheint: die Verwandlung der Universitäten von Plätzen der Forschung und Bildung zu elitären Bildungshorten.

Es ist erwiesen, dass Studiengebühren nichts an der Situation der Universitäten geändert haben. Zu argumentieren, dass die jahrzehntelange Verschlechterung der Situation an den Universitäten in den letzten beiden Jahren mit  zum Teil abgeschafften Studiengebühren passiert sein soll, ergibt genau Null Sinn. Sünkel sei peinlich berührt, wenn er KollegInnen aus anderen Ländern sagen müsste, dass in Österreich Studierende „das gesamte Angebot“ für max. 2€ pro Tag nutzen könnten. Ich bin peinlich berührt, jemanden wie ihn „Rektorenchef“ nennen zu müssen.

Der Schrei noch „einem besseren Stipendienwesen“ ist zwar absolut berechtigt, wird jedoch nie so schnell verwirklichbar sein wie die Wiedereinführung der Studiengebühren.

Im Sinne der freien Bildung treten wir weiterhin mit einer starken Stimme solch unsinnigen Forderungen entgegen – Bildung darf kein Privileg „Reicher“ sein & muss, im Sinne einer aufgeklärten Gesellschaft, allen zugänglich sein! Denn wie die aktuelle Studierendensozialerhebung beweist, stehen Studierende schon unter ausreichend (finanziellem) Druck.

Karl: Ausbildung statt Bildung

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Wissenschaftministerin Karl gab dem „SchülerStandard“ ein erstaunlich informationsgeladenes Interview, in dem sie in komprimierter Form die bildungspolitische und soziale Kompetenz ihrer Partei offenbarte. Die Studienbedingungen sind selbstverständlich nicht, wie manch naiver Mensch gedacht haben mag, durch Geld zu verbessern. Nein, Zugangsbeschränkungen, oder wie Karl es nennt, „Zugangsregelungen“ (klingt doch gleich viel besser), braucht es! Darauf angesprochen, dass das die ohnehin viel zu niedrige Akademiker_innenquote nicht unbedingt heben würde, kann sie aber leider nur ausweichend antworten.

Viel Platz widmet Karl dem Erzeugen eines künstlichen Widerspruchs zwischen Bildung und Ausbildung. Letzeres sei es, was die meisten Studierenden wollen, den sie wollen ja auch einen guten Job. Dass es diesen Widerspruch nur im Kopf der ÖVP gibt, und das gute Universitäten eigentlich beides leisten können sollten, dürfte noch längere Zeit nicht ins Wissenschaftsministerium vordringen.

Angesprochen auf die Rohfassung der Studierenden-Sozialerhebung 2009, die zeigt dass sich die finanzielle Situation der Studierenden weiter verschärft hat, obwohl sie mehr arbeiten, fällt Karl spontan nur die Lösung „mehr E-Learning“ ein. Auf Nachfrage erwähnt sie doch noch die Möglichkeit mit Stipendien darauf zu reagieren. Immerhin.

Zum Abschluss trauert Beatrix Karl noch einmal um die Studiengebühren, bekanntermaßen eines von zwei bildungspolitischen Konzepten der ÖVP (das andere, „Zugang beschränken“, hat sie ja bereits erwähnt). Es steht zu befürchten, dass sich an der Situation der Unis und der Studierenden auch weiter nichts ändern wird, solange das Ministerium fest in der Hand einer ÖVP ist, die sich dem Motto „Ausbildung statt Bildung“ verschrieben hat, und selbst dies nur jenen ermöglichen möchte, die es sich leisten können.

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