Beiträge mit tag "Unbeschraenktstudieren

Nationalrat beschließt Abschiebepaket für Studierende anstatt echter Orientierungsphase

0

Wie die presse berichtet, beschließt der Nationalrat am 01.03, also heute, neue Zugangsbeschränkungen. So soll die Anzahl der Prüfungsantritte auf zwei reduziert werden, die von den Unis autonom auf drei erhöht werden kann. Sinn dieser Regelung ist es, dass möglichst viele Studierende ausselektiert werden und in den Nicht-Akademischen Bereich abgeschoben werden. Der VSStÖ betont ständig, dass die Akadermiker_innenquote zu niedrig ist, und dass gerade viel zu wenige Menschen, die aus bildungsfernen Schichten kommen, studieren. Diese Maßnahme wird sicher nicht mehr Leute zum abschließen bringen und sie wird schon gar nicht die akademische Landschaft durchmischen. Dieser Beschluss dient nur dem Mantra: „Eliten müssen unter sich sein – alles Fremde ist unerwünscht“. Unter dem Deckmantel von Leistungsbeurteilungen werden hier nicht gewünschte Menschen ausselektiert.

Die einzig einigermaßen sinnvolle Regelung – der verpflichtenden Studienwahlberatung – kommt erst nächstes Jahr. Sinnvoller wäre es gewesen, dass zuerst die Studienwahlberatung gemacht wird, und dann untersucht wird ob die Studienwechsel bzw. Drop-Outs in den ersten Semestern sinken. So könnte ein positiver Effekt der Studienwahlberatung vortäuschen, dass das Abschiebepaket für angehend Studierende den propagierten Effekt bringt. Der VSStÖ bezweifelt das und ist stattdessen für eine echte Orientierungsphase.

Beatrix Karl und das Hirngespinst

0

Von der steirischen Landesregierung gab es im Jahr 2010 eine Initiative mit dem Namen „Projekt 500“, wo gute Idee von jungen Menschen mit 500 € gefördert wurden. Dieses Projekt nahm sich Trixi Karl zu Herzen und möchte sich ihre „gute Idee“ mit 500 € fördern lassen – von jeder/jedem Studierenden einmal pro Semester.

Mit ihrer Forderung der flächendeckenden Wiedereinführung von Studiengebühren, sowie der Anhebung um 37,6% (!) kehrt BM Karl zu einer alten Forderung der Volkspartei zurück. Die Elitenbildung an den Österreichischen Unis soll wieder stark forciert werden. Natürlich geschieht dies unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit, da ein Teil des Geldes für Stipendien zu Verfügung gestellt werden und ein Wink mit dem Zaunpfahl an einige SPÖ Politiker_innen sein soll.

Sozial schwächere Studierende sollen ja die Möglichkeit eines Studienkredits haben, um ihr Leben finanzieren zu können, natürlich „steuerbegünstigt“. Es macht sozial schwächeren Studis ja auch bestimmt Spaß sich Anfang 20 für Banken zu prostituieren und sich dadurch für einen gewissen Teil des Lebens sehr einzuschränken.

Zumindest erteilt SPÖ Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas dem Hirngespinst von BM Karl eine deutliche Abfuhr: „Studiengebühren widersprechen dem SPÖ-Prinzip des freien Universitätszugangs sind und daher „keine Option“. Dies kann als Schritt in die Richtige Richtung der SPÖ gesehen werden und macht wohl hoffentlich auch Beatrix Karl klar, dass vom Koalitionspartner keine Annäherung zu erwarten ist.

SPÖVP: Total beschränkt

0

Heimlich, still und leise wollte die Bundesregierung Zugangsbeschränkungen einführen. Anders lässt sich die extrem kurze Stellungsnahmefrist (4 Tage! – Update: 7.12., 12:30: die Frist wurde auf 2 Wochen verlängert!) zur neusten Novelle des Universitätsgesetzes kaum erklären. Man könnte schockiert und enttäuscht über den neuesten Entwurf sein, wenn man noch etwas von dieser Bundesregierung halten würde. Insbesondere die Faymann-SPÖ verrät einmal mehr ihre Grundwerte, indem sie sämtliche Träume von Selektionsministerin Beatrix Karl (ÖVP) erfüllt.

Die Einführung des Paragraphen 124c bedeutet flächendeckende Zugangsbeschränkungen. Die Studierenden wären dann der Willkür der Universitäten völlig ausgeliefert, da diese das Verfahren zur Durchführung der Beschränkung selbst bestimmen können. Das Ziel dieser Novelle scheint es zu sein, die im internationalen Vergleich sehr niedrigen Studierendenzahlen Österreichs weiter zu senken

2. Dem § 124b wird folgender § 124c samt Überschrift angefügt:

Ergänzende Bestimmungen für die kapazitätsorientierte Zulassung bei außergewöhnlich erhöhter Nachfrage

§ 124c.(1) Die Bundesregierung kann durch Verordnung Bachelor- und Diplomstudien, in denen aufgrund außergewöhnlich erhöhter Nachfrage an einer Universität Kapazitätsengpässe vorhanden sind oder drohen, welche geeignet sind, zu einem nicht vertretbaren Qualitätsverlust zu führen oder die Erfüllung der Verpflichtungen gemäß § 54 Abs. 8 und § 59 Abs. 7 zu verhindern, festlegen, auf die Abs. 2 angewendet werden kann.

Aber es scheint gar nicht um erfolgreiche Universitäten, ein gerechtes System oder fair behandelte Studierende zu gehen, sondern einfach um Beschränkungen der Beschränkungen willens. Anders lassen sich diese nun bekannt gewordenen menschenverachtenden und bedenklichen Äußerungen von Bernhard Varga, stv. Leiter der Rechtsabteilung, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und Mitautor der Novelle, wohl kaum erklären.

„Dass als Grundlage der Beschränkungen die durchschnittliche Studierendenzahl genommen wird, ist dramatisch. Nach momentanem Informationsstand bedeutet das am Beispiel der WU: Der Durchschnitt der Studierenden in den letzten fünf Jahren betrug 22.151 Studierende. Im Wintersemester 2009 studierten 25.207 Menschen. Die neue Regelung ermöglicht schon im Wintersemester 2011 eine Reduktion um 3000 Studienplätze allein auf der WU Wien. Statt 4730 Studienanfänger_innen wird die WU dann nur noch 1730 aufnehmen. Das ist nur ein Beispiel einer Universität, österreichweit verspielt die Regierung damit die Zukunft zigtausender junger Menschen.“, so Stefanie Grubich, VSStÖ Bundesvorsitzende.

Die Novelle soll bereits mit 1. Februar 2011 in Kraft treten, damit bereits im nächsten Studienjahr 2011/12 erstmals flächendeckende Zugangsbeschränkungen in Kraft treten könnten. Der Beschränkungsentwurf der Regierung findet sich hier. Österreichs Unis brauchen mehr Geld, Österreich braucht mehr Studierende. Die Antwort der Regierung auf diese grundlegenden Probleme sagt alles über die Kompetenz von Josef Pröll und Werner Faymann aus.

Heast, ärger di ned!

0
Zum Auftakt der neuen bundesweiten Kampagne „Für eine echte soziale Absicherung“ des VSStÖ, wird es am 17. November an der KF Uni (von 10 bis 16 Uhr, bei Schönwetter auf der Wiese vor der UB, bei Schlechtwetter im überdachten Resowibereich) und am 18. November an der TU (von 10 bis 16 Uhr, Infeldgasse)  das Spiel „Studi ärger dich nicht“ geben. Bei diesem Spiel sind die teilnehmenden Personen selbst Spielfiguren und müssen soziale Hürden (Wegfall der Familienbeihilfe, aufhaltende Knock-Out Prüfungen etc.) meistern.
Alle sind herzlich dazu eingeladen teilzunehmen  und einen kleinen Preis zu gewinnen. Außerdem wird es noch Infos rund um Familienbeihilfenkürzung & andere relevante Themen geben.

Hintergrund dieser Aktion ist sowohl die aktuelle Studierendensozialerhebung, die wieder einmal zeigt, dass Kinder, deren Eltern Akademiker_innen sind, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Universitäten besuchen, als Kinder aus ärmeren sozialen Schichten, als auch die Kürzung der Familienbeihilfe von 26 (27) auf 24 (25) Jahre. Außerdem fördern Zugangsbeschränkungen jeglicher Art, seien es Knock-Out Studieneingangsphasen, Aufnahmetests oder Studiengebühren die soziale Selektion. Anstatt Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen entsprechend zu fördern und ihnen zu ermöglichen aus ihrem sozialen Umfeld ausbrechen zu können, werden sie daran gehindert.

Der VSStÖ fordert daher

  • einen offenen Hochschulzugang. Bildung sollte für alle zu gleichen Bedingungen möglich sein.
  • ein Bildungssystem, das soziale Ungerechtigkeiten ausgleicht statt einzementiert.
  • eine Reform des Beihilfensystems, damit Studierende sozial abgesichert sind. Dazu gehört eine Anhebung der Höchststudienbeihilfe, Erweiterung des Bezieher_innenkreises, neue Bezugsdauer statt Mindeststudienzeit, Anhebung des Zuschlags für Studierende mit Kind, Harmonisierung der Zuverdienstgrenze, Ausbau der Förderstipendien, Direktauszahlung der Familienbeihilfe, vollständige Abschaffung der Studiengebühren und langfristig ein neues Beihilfensystem (Grundstipendium).

"Und für Ausländer noch einmal doppelt so hoch."

0

Hans Sünkel, Rektor der TU Graz und seit 2010 Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz, spricht sich in einem Interview, welches in der morgigen Printausgabe der Presse erscheint und bereits vorab im Internet zu lesen ist, nicht nur für 4-5 Mal höhere Studiengebühren (!) aus, sondern auch dafür, dass sie für „Ausländer noch einmal doppelt so hoch“ sein sollen.

Damit beweist er wieder einmal, was das Ziel der Rektoren (oder nur seines?) zu sein scheint: die Verwandlung der Universitäten von Plätzen der Forschung und Bildung zu elitären Bildungshorten.

Es ist erwiesen, dass Studiengebühren nichts an der Situation der Universitäten geändert haben. Zu argumentieren, dass die jahrzehntelange Verschlechterung der Situation an den Universitäten in den letzten beiden Jahren mit  zum Teil abgeschafften Studiengebühren passiert sein soll, ergibt genau Null Sinn. Sünkel sei peinlich berührt, wenn er KollegInnen aus anderen Ländern sagen müsste, dass in Österreich Studierende „das gesamte Angebot“ für max. 2€ pro Tag nutzen könnten. Ich bin peinlich berührt, jemanden wie ihn „Rektorenchef“ nennen zu müssen.

Der Schrei noch „einem besseren Stipendienwesen“ ist zwar absolut berechtigt, wird jedoch nie so schnell verwirklichbar sein wie die Wiedereinführung der Studiengebühren.

Im Sinne der freien Bildung treten wir weiterhin mit einer starken Stimme solch unsinnigen Forderungen entgegen – Bildung darf kein Privileg „Reicher“ sein & muss, im Sinne einer aufgeklärten Gesellschaft, allen zugänglich sein! Denn wie die aktuelle Studierendensozialerhebung beweist, stehen Studierende schon unter ausreichend (finanziellem) Druck.

nach oben