Beitrag getagt Zugangsbeschränkungen
Heast, ärger di ned!
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Zum Auftakt der neuen bundesweiten Kampagne „Für eine echte soziale Absicherung“ des VSStÖ, wird es am 17. November an der KF Uni (von 10 bis 16 Uhr, bei Schönwetter auf der Wiese vor der UB, bei Schlechtwetter im überdachten Resowibereich) und am 18. November an der TU (von 10 bis 16 Uhr, Infeldgasse) das Spiel “Studi ärger dich nicht” geben. Bei diesem Spiel sind die teilnehmenden Personen selbst Spielfiguren und müssen soziale Hürden (Wegfall der Familienbeihilfe, aufhaltende Knock-Out Prüfungen etc.) meistern.Hintergrund dieser Aktion ist sowohl die aktuelle Studierendensozialerhebung, die wieder einmal zeigt, dass Kinder, deren Eltern Akademiker_innen sind, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Universitäten besuchen, als Kinder aus ärmeren sozialen Schichten, als auch die Kürzung der Familienbeihilfe von 26 (27) auf 24 (25) Jahre. Außerdem fördern Zugangsbeschränkungen jeglicher Art, seien es Knock-Out Studieneingangsphasen, Aufnahmetests oder Studiengebühren die soziale Selektion. Anstatt Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen entsprechend zu fördern und ihnen zu ermöglichen aus ihrem sozialen Umfeld ausbrechen zu können, werden sie daran gehindert.
Der VSStÖ fordert daher
- einen offenen Hochschulzugang. Bildung sollte für alle zu gleichen Bedingungen möglich sein.
- ein Bildungssystem, das soziale Ungerechtigkeiten ausgleicht statt einzementiert.
- eine Reform des Beihilfensystems, damit Studierende sozial abgesichert sind. Dazu gehört eine Anhebung der Höchststudienbeihilfe, Erweiterung des Bezieher_innenkreises, neue Bezugsdauer statt Mindeststudienzeit, Anhebung des Zuschlags für Studierende mit Kind, Harmonisierung der Zuverdienstgrenze, Ausbau der Förderstipendien, Direktauszahlung der Familienbeihilfe, vollständige Abschaffung der Studiengebühren und langfristig ein neues Beihilfensystem (Grundstipendium).
Studieneingang wird zur Knock-Out-Phase
0Bei der Regierungsklausur in Loipersorf haben sich die Koalitionspartnerinnen SPÖ und ÖVP auf Studieneingangsphasen (STEPs) geeinigt. STEPs sind aber nichts Neues. Sie sind seit der Novellierung des Universitätsgesetzes 2009 im §66 geregelt und in allen Fächern eingeführt. Die neue Regelung soll aber sicherlich nicht länger zur Orientierung dienen (dies war der ursprüngliche Zielsetzung für Studieneingangsphasen), sondern gezielt Studierende „rausprüfen“. Auch wenn „Rausprüfen“ mittels so genannten Knock-Out-Prüfungen und versteckte Zugangsbeschränkungen nichts Neues sind, so könnte eine gesetzliche Verankerung drastische Folgen haben. Die genaue Ausgestaltung ist zwischen SPÖ und ÖVP noch nicht ausverhandelt, dennoch steht jetzt schon fest, dass die SPÖ die Idee des freien Hochschulzuganges nun endgültig zu Grabe trägt, und die neu geregelte Studieneingangsphase unmissverständlich der Einführung von Zugangsbeschränkungen dient.
Angedacht ist, klassische Studienfächer, wie Jus, Biologie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Pädagogik oder Anglistik zu beschränken. Am Ende der Studieneingangsphase soll dann eine oder mehrere Prüfungen darüber entscheiden, ob die Studienrichtung weiter studiert werden kann oder nicht. Erwähnt wurde auch, dass diese zeitlich eventuell auf August bis Oktober vorverlegt werden könnte, so dass Studierende bei Nichtbestehen der Aufnahmeprüfung die Möglichkeit haben auf ein anderes Studium auszuweichen.
Unklar bleibt bis jetzt auch, ob alle Studienfächer zugangsbeschränkt werden. Zu bedenken ist allerdings, dass Studierende auf andere, nicht beschränkte Fächer ausweichen werden. Klar ist auch, dass die zusätzlichen 80 Millionen für das Hochschulbudget ein Tropfen auf dem heißen Stein sind und die Studienbedingungen auch in „weniger beliebten“ Studienrichtungen nicht deutlich verbessern werden können. Durch entstehende Verdrängungseffekte wird das Ministerium früher oder später flächendeckende Zugangsbeschränkungen einführen- die Neuregelung spielt der ÖVP zusätzlich in die Hände.
Ganz egal wie die Aufnahmeprüfungen in der Studieneingangsphase schließlich geregelt werden- sie wirken definitiv sozial selektiv und fördern Elitenbildung. Die zusätzliche Streichung der Familienbeihilfe ab 24 Jahre wird dazu führen, dass einige wenige ein Bachelorstudium beginnen können und nur noch eine Hand voll privilegierter Studierender ein Masterstudium beginnen werden.
Es lebe die soziale Selektion!
0Wir sind schlicht und einfach schockiert über das Ergebnis der Regierungsklausur in Loipersdorf. Dass die SPÖ sich auf ohne Zweifel sozial selektiv wirkende Zugangsbeschränkungen einlässt, und gleichzeitig der Senkung der Altersgrenze für die Familienbeihilfe zustimmt, ist erbärmlich und straft Werner „Zeit für Gerechtigkeit“ Faymann Lügen.
Die ÖVP-Elitenpolitik ist nun also offizielle Regierungspolitik. Dass sich die soziale Durchmischung an den Universitäten von einem sehr schlechten Niveau aus weiter verschlechtern wird, scheint klar.
Die Studierendensozialerhebung 2009 hat deutlich gezeigt, dass ab dem 26. Lebensjahr die Armutsgefährdung enorm ansteigt, grade auch weil die Familienbeihilfe nicht länger bezahlt wird. Nun sinkt diese Grenze auf 24 Jahre. Im neuen Bachelor/Master System, sind viele Studierende somit ausschließlich aus sozialen Gründen von einem Masterstudium ausgeschlossen.
Die ÖVP ist ihrem Ziel von reinen „Elite“-Unis für die Reichen wieder ein Stück näher gekommen. Die SPÖ hat dafür nichts bekommen, sondern stimmt einem Belastungspaket für Familien und sozial Schwache zu. Die SPÖ hat die Studierenden verkauft.
“Wir brauchen mehr Studierende, nicht weniger.”
0Wer bei der heutigen Demo der KF Uni Graz nicht dabei sein konnte: hier gibt’s die Rede unserer stellvetretenden Vorsitzenden Natalie Ziermann zum Nachlesen!
Vor ca einem Jahr haben wir uns getroffen um die Besetzungen in Graz zu planen. Wir – das war ein kleiner Haufen der die Audimaxbesetzung in Wien unterstützen wollte. Jetzt ist ein Jahr vorbei und noch immer stehen so viele Leute hier, die sich nicht gefallen lassen wollen was die Politik mit ihnen macht. Ich finde das hat einen großen Applaus verdient.
Wir treten heute für den freien Hochschulzugang und eine bessere Unifinanzierung ein. Wir sind gegen Zugangsbeschränkungen, weil sie ungerecht und willkürlich sind und gegen das Recht auf freie Bildung verstoßen. Wir treten gegen Zugangsbeschränkungen ein weil Österreich eine Akademiker_innenquote von 18% hat. Der OECD Durchschnitt liegt bei 27%.
Wir brauchen mehr Studierende, nicht weniger.Wir sind gegen Studiengebühren, weil die wenigsten Studierenden reiche Eltern haben. Schon jetzt arbeiten in etwa 60% der Studierenden während des Semesters. Die meisten, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können.
Wir brauchen ein besseres Stipendiensystem, keine neuen Gebühren für Studierende.Zu guter Letzt sind wir für eine bessere Hochschulfinanzierung. Man hat uns 2% des BIPs versprochen, derzeit sind wir bei 1,3%.
In Österreich muss Bildung endlich wieder mehr wert sein, deshalb fordern wir jetzt die Unimilliarde.
Kein “Platz für Studenten” im Kurier
0Der “Kurier” widmet dem Semesterbeginn eine Serie mit dem Title “Platz für Studenten”. Blöd nur, dass Studierende in der Serie keinen Platz haben. So konnten sich uniko-Chef Hans Sünkel und Wissenschaftsministerin Beatrix Karl heute in einem großen Interview, frei von lästig Einwänden von Studierenden, ungestört ihren Träumen von der total beschränkten Eliteuni für Reiche hingeben.
Nachdem man klargestellt hat, wie gut die Unis eigentlich wären, sind sich die beiden schnell einig, dass diese Qualität leider vom offenen Hochschulgang zerstört wird. Pöbel an den Unis! Wie soll man denn da noch forschen, wenn man sich ständig die Hände waschen muss?
Sinnvolle Argumente gibt es natürlich keine. Dafür rutsch Rektor Sünkel in seiner Schwärmer über die MINT-Kampagne der Ministerin heraus, dass in Europa eine Million Absolvent_innen in den MINT-Bereichen fehlen. Aha. Und der Lösungsansatz sind weniger Studierende? Gerade in Österreich, wo die Akademiker_innenquote sowieso peinlich niedrig ist? Irgendetwas stimmt an der Idee nicht….
Schuld an der Misere der Unis sind also die armen Massen die die Unis überschwemmen und die Elite unterdrücken. Die Lösung ist, sie auszusperren. Man sieht, wieso der Kurier gut daran getan hat, die beiden unter sich zu lassen. Mit störenden Einwürfen von Fakten und Forderungen nach Gerechtigkeit statt Elitendenken wäre diese Fantasie nur allzuleicht zu zerstören.
